Bereits zum achten Mal lädt Bernie zum Marathon am Lech ein. Wie schon in den letzten Jahren wird die Strecke immer wieder abgeändert und mit einem neuen Untertitel versehen. Diesmal ist es die Historic Route. Wie der Name vielleicht schon verrät, sind wir dieses Mal nicht ausschließlich am Lech unterwegs, sondern es wird uns in die Augsburger Altstadt verschlagen. Teile der Strecke gleichen der City Wall vom letzten Jahr. Es kommen aber etliche Neuheiten dazu.
Mit dreizehn Teilnehmern kommt ein ganz ordentliches Starterfeld zusammen. Yvonne, Dieter und Michael starten schon am Vortag, da es ihr Laufplan nicht anders zulässt. So trudeln am Sonntagvormittag noch zehn Marathonis am Weitmannsee in Kissing ein. Besonders freut mich, dass Charly mit dabei ist. Es wird zwar „nur“ 16 Kilometer laufen, aber mit seinem Hintergrund eine beachtliche Leistung. Ein Axel von den drei Assen ist auch dabei. Wir haben uns gefühlt Ewigkeiten nicht gesehen. Knapp vor dem Start trifft auch Udo ein und wir sind für das obligatorische gemeinsame Foto bereit. Nach einem kurzen Vorwort von Bernie geht es gewohnt unspektakulär los.
Vom Weitmannsee laufen wir am Auensee vorbei und erstmal bis zum Kuhsee. Schnell teilten wir uns in drei Leistungsgruppen ein. Vorne die Schnellen, dann das Mittelfeld und hinten – tja – da bin dann ich. Ich denke noch, ich könnte eine Zeitlang an Udo dranbleiben, daraus wird aber nichts. Nach einer frühzeitigen Pinkelpause sind wir beide noch gleich auf, doch dann beschließt Udo doch im Mittelfeld zu laufen. Unterwegs treffe ich noch auf eine eingepferchte Schafherde. Sie schauen irgendwie nicht sonderlich glücklich aus. Ich kann es verstehen. Mit diesem Pelz bei dieser Schweinehitze und dazu noch vertrocknetes Gras fressen. Ein glückliches Schafleben könnte sicherlich besser sein.
Meine gpx-Daten habe ich ja am Vorabend noch schnell auf die Uhr geladen, auch die beiden pdf-Dateien mit Strecke und Wasserstellen habe ich noch kurz überflogen. Da ich am selben Tag aus dem Urlaub zurückkam, blieb nicht allzu viel Zeit, um die Strecke ausgiebig zu studieren, aber im Großen und Ganzen habe ich alles im Kopf. Diesen schalte ich erst einmal aus. Bis zur MAN-Brücke ist alles easy und ich vergewissere mich nur ab und zu, ob ich noch richtig unterwegs bin. Die Wasserstelle am Kanu-Leistungszentrum finde ich problemlos und fülle meine Flaschen frisch auf. Das ist bei den zu erwartenden 35°C auch dringend erforderlich. Auf dem Olympiagelände werden noch Zelte und Schirme einer bekannten Flügellimonade abgebaut. Am Wochenende fand zum ersten Mal ein Paddel-Fest auf der Kanustrecke statt. Selbstgebaute Boote und Maskeraden sorgten bei den Zuschauern für Unterhaltung.
Das nächste Ziel ist der Osram-Steg und der Weg dahin verläuft ohne große Probleme. Ich beginne lediglich ab und an die Straßenseite zu wechseln. Es wird schon gut warm und ich suche den Schatten. Kurz nach dem Osram-Steg kommt der Flößerpark, bei dem eine Wasserpumpe für Erfrischung sorgt. Die Pumpe ist von Kindern umringt, die enormen Spaß beim Pritscheln haben. Ich kontrolliere kurz meine beiden Flasks und entschließe, da sie noch zu Dreivierteln gefüllt sind, den Rackern den Spaß nicht zu verderben. Nur noch wenige Kilometer bis zur MAN-Brücke und dann geht es ab in die Altstadt. Der Weg bis dahin ist noch etwas zäh, da Schatten kaum vorhanden und somit nur ein Wunschgedanke ist. Ich kämpfe mich die Treppe hoch zur Brücke und darf diese nun in der prallen Sonne überqueren. Scheinbar bin ich in Augsburg allein unterwegs. Auf der breiten Straße sehe ich weder ein Auto noch eine Straßenbahn. Eine günstige Gelegenheit bietet sich, die Straße trotz vorhandener Fußgängerampel zu überqueren, ohne dieser Beachtung zu schenken. So bin ich das auch aus Irland gewohnt. Dort bleiben nur Touristen an roten Ampeln stehen. Unsicher bin ich mir aber zunächst doch. Aus welcher Richtung kommen nochmal die Straßenbahnen? Auch bei den Autos muss ich kurz überlegen. Es geht gut und ich komme heil unter der Stadtmauer an.
Es wird auch Zeit, denn meine Flasks sind nun fast leer und auf die lauwarme Brühe habe ich eigentlich gar keine Lust. An einer Litfaßsäule neben mir sehe ich eine Werbung für Cola und Spezi. Die Flaschen sind offensichtlich eiskalt, das Wasser perlt vom Glas. Ich bin fast versucht die Litfaßsäule abzuschlecken, bin mir aber sicher, dass mir das auch nicht weiterhilft. Die Treppe hoch zur Stadtmauer hoch spüre ich leicht in den Oberschenkeln. Kurz darauf liegt der Biergarten „Lug ins Land“ vor mir. Der Kiosk ist schon offen und ich krame schon mal den ersten Schein aus meinem Laufrucksack. Der Wirt erkennt wohl meine Absicht und erklärt mir, dass der Biergarten erst um 11.30 Uhr öffnet. Ich bin bei einem Marathon mal zu schnell. Kaum zu glauben, aber auch bitter. Gut, bis zum „Stoinernen Ma“ ist es nicht mehr weit und unterhalb der Schwedenstiege wartet ja der nächste Brunnen mit frischem Trinkwasser auf mich.
Doch ich habe die Rechnung leider nicht mit den hygienischen Augsburger Sandlern gemacht. Offensichtlich frisch aufgestanden und wohl auch den hohen Temperaturen der letzten Tage geschuldet, muss nämlich an eben diesem Brunnen, einer seine bunten Wollsocken waschen. Verständlich, aber auch ärgerlich, denn der Durst ist mir im selben Moment vergangen. Ich hoffe am Jakober Tor oder am Vogeltor eine Kneipe oder einen Kiosk zu finden. Eine nicht so vertrauenswürdige Kneipe lasse ich aus, was ich kurz darauf auch schon wieder bereue. Ich kippe meine letzten Schlucke vom inzwischen mehr als lauwarmen Wasser hinunter. An der Kahnfahrt kann ich zwischendurch einen Biergarten entdecken. Ich habe aber keine Ahnung, wie man da hinkommt.
Am historischen Stadtgraben, der sich am Fünf-Fingerles-Turm vorbeischlängelt, lockt glasklares Wasser. Trinken schließe ich aus, aber ein bisschen abkühlen wäre jetzt schon eine feine Sache. Ich finde eine seichte Stelle, muss aber erst ein paar Fische vertreiben, die sich im Flachwasser von der Sonne aufwärmen lassen. Ich tauche meine Kappe ein und kühle mir auch die Arme, danach lasse ich den Fischen wieder ihre möglicherweise wohlverdiente Sonntagsruhe.
Mein nächstes Ziel ist das Rote Tor. Wäre Bernie bei mir, würde er mir erklären, dass das nicht ganz richtig ist. Auf Höhe der Freilichtbühne zeigt mein Navi, dass sich hier die Strecke kreuzt. Hätte ich den Plan genügend studiert, wüsste ich, dass die Runde durch Göggingen ansteht. So irre ich hin und her, ohne dass sich mir der Streckenverlauf erschließt. Meine Uhr lässt mich auch im Stich. Sie zeigt nur ein blaues Kreuz, eine Richtung schlägt sie mir allerdings nicht vor. Vielleicht zieht es mich auch einfach nur in Richtung Rotes Tor, da sich direkt daneben das „Mordock‘s“, mein irisches Stamm-Pub befindet. Ab jetzt wird es auf meiner Uhr vogelwild. Manchmal befinde ich mich auf der richtigen Strecke, manchmal laufe ich in die verkehrte Richtung und dann ist die Strecke wieder ganz weg.
Ich laufe an der Ausburger Puppenkiste vorbei hoch zur Ulrichskirche. Mein Navi erklärt mir, dass ich mal wieder entgegen dem Kurs unterwegs bin. Mir ist das jetzt egal. Die groben Punkte habe ich im Kopf und werde mich schon irgendwie durchschlagen. Über die Maxstraße mache ich mich auf den Weg zum Rathausplatz. Ich scanne links und rechts die vielen Gaststätten, die auf dem Weg liegen. Entweder haben sie noch nicht geöffnet oder erwecken den Eindruck, dass mein inzwischen etwas geschundenes Äußeres nicht willkommen sein könnte. Am Rathausplatz entdecke ich einen Italiener, der gerade öffnet und erst einen Gast hat. Ein Segen. Es gibt nicht nur ein kühles Helles, sondern auch eine Toilette für die nächste Pinkelpause, sowie eine Erfrischung am Waschbecken und zwei frischgefüllte Flasks. |