30.4.2022 MARATHON am LECH – Wild Cross
Autor: Bernie Manhard
 
 
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Ins Leben gerufen wurde der Marathon am Lech, um auch während Corona weiterhin unserer liebsten Freizeitbeschäftigung nachgehen zu können. Heuer celebrieren wir bereits die 4. Auflage unseres kleinen Meetings. Diesmal unter dem Motto: Wild Cross. Bisher ist es mir bei jeder Veranstaltung gelungen, einen neuen Kurs zu präsentieren und das wird auch heuer wieder so sein, wobei wir diverse Streckenabschnitte, schon beim „Trail to Peak“ gelaufen sind. Nur kurz ist das Zeitfenster für die diesjährige Austragung, denn als besonderes Markenzeichen soll er durch die Kissinger Heide führen, in der jährlich von etwa Mitte April bis Anfang Mai eine ganze Wiese Enziane blüht.

Erstmals seit zwei Jahren gibt es keine Corona-Beschränkungen mehr, so wird der Lauf für 20 Teilnehmer*innen ausgeschrieben. Groß Werbung machen wir dafür aber nicht, viel mehr werden wieder die üblichen Verdächtigen kontaktiert, dazu haben wir noch unsere Ausschreibung auf der Website. Das Interesse ist auch durchaus positiv, ohne aber an das Maximum zu gelangen.

Wie schnell es gehen kann, dass ein Teilnehmerfeld schmilzt wie Butter in der Sonne, hat Andreas‘ vor zwei Wochen beim Munich Urban Trail erlebt. So checke ich gespannt in der Woche vor dem Lauf mehrmals meinen Mail-Account. Ein paar melden sich noch ab, dafür gibt es aber wieder neue Interessenten, so werden letztendlich 12 Läufer, dazu Judith als einzige Frau an den Start gehen.

Die 13 ist ja im Allgemeinen als Unglückszahl verpönt, prompt müssen wir für Samstag einen kleinen Wehrmutstropfen hinnehmen: Nachdem es bis Freitag Sonne satt gegeben hat, soll die sich am Samstag bedeckt halten und auch mit Niederschlag ist zu rechnen, was in erster Linie vermutlich auch den Enzianen nicht so gefallen wird. Es kommt, wie es kommen muss, die Sonne fehlt am Samstagvormittag, dafür sind aber alle „internationalen“ Teilnehmer (Stuttgart – München – Augsburg) pünktlich vor Ort und bis auf ein paar Tropfen bleiben glücklicherweise die groß angekündigten Regenschauer aus.

Wir starten pünktlich um 10 Uhr, erstmal noch gemeinsam mit der kompletten Gruppe. Erster Anlaufpunkt ist auch gleich nach einem Kilometer die Kissinger Heide. Vor der Regulierung des Lechs bedeckten großflächig zusammenhängende Trockenrasen die eiszeitlichen Schotterflächen im Lechtal, ein spärliches Überbleibsel davon ist die Enzianwiese unweit des Weitmannsees. Seit 1941 steht sie unter Naturschutz und genießt hohen europarechtlichen Schutzstatus. Besonders attraktiv präsentiert sich die Heide jährlich Ende April, wenn der Stängellose Enzian mit seinen intensiv kobaltblauen Blüten bodennah die Fläche überzieht. Die Sonneneinstrahlung fehlt ihnen heute etwas, weswegen sich die Blüten größtenteils noch etwas verschämt verschlossen halten. Trotzdem sind sie eine Schau, in der riesigen Menge auf einem Fleck, kann man sie vermutlich noch nicht einmal in den Alpen bewundern.

Mit etwas Abstand umrunden wir den Weitmannsee an seiner Ost- und Südseite bevor wir nach 4,5 km den Lech erreichen und uns so schnell auch nicht mehr davon entfernen. Das Feld zieht sich jetzt auseinander, die schnelleren machen sich vom Acker, der überwiegende Teil hat es aber nicht so eilig. Etwas abenteuerlich offenbart sich wieder ein kurzer canyonartiger Einschnitt samt Wasserüberquerung nach knapp 10 km. Es gab hier früher doch deutlich mehr Wasser und man hat scheinbar auch noch ein paar größere Steine hinzugefügt, so muss nur Tom Wasserkontakt aufnehmen.

Nach genau 13 km erreichen wir den Hochablass, vom Stauwehr wird hier Wasser in die Augsburger Altstadt geleitet, wo es in vielen Kanälen durch die Stadt fließt. In Augsburgs historischer Wasserwirtschaft war dies von enormer Bedeutung, so gab es darüber auch jahrhundertelang immer wieder Auseinandersetzungen zwischen der Reichsstadt Augsburg und den Wittelsbachern, deren Gebiet, das herzogliche Bayern, an das Ostufer des Lechs angrenzte. Die erste Anlage zur Lechwasser-Einleitung nach Augsburg soll geschätzt bereits im Jahr 1000 erfolgt sein. Im Jahr 1346 ist ein erster Wehrdamm an der Stelle des heutigen Ablasses urkundlich belegt.

Wir ziehen immer weiter nordwärts direkt am Lech entlang und durchqueren dabei die komplette Stadt von Süd nach Nord auf einer Länge von 9 Kilometern. Ein wunderschöner Abschnitt auf halber Höhe an der Lechböschung entlang beginnt nach dem Hochzoller Wasserwerk. Die Uferbefestigung wurde hier teilweise noch zusätzlich mit Steinen und Beton verfestigt, was die urwüchsigen Trails etwas stabilisiert.

Vor der Lechbrücke in Lechhausen bekommen wir das erste und einzige Mal auch ein paar Häuser der Stadt zu Gesicht, ansonsten könnte man denken, wir befinden uns mitten im Grünen. Nur eine einzige, nur spärlich befahrene Straße, muss während der gesamten 42 km überquert werden.

 
   
 
 

Ganz neu ist das Restaurant Flößlände im sogenannten Flößerpark. Schon vor zwei Jahrhunderten gab es hier eine Anlegestelle für Flöße, die für Lechhausen eine große Rolle spielte. Von hier aus wurden Waren über weite Strecken transportiert und Handel betrieben. Als Erinnerung daran, haben vor mehr als zehn Jahren die Planungen für den Flößerpark begonnen, nun ist Lechhausens Vorzeigeprojekt beinahe fertig. Im Oktober wurde mit der Eröffnung der Floßlände der letzte große Bauabschnitt beendet. Zu großen Teilen aus Holz gebaut, thront sie am Ufer des Lechs. Mit der gläsernen Front fungiert das Gebäude auch als Aussichtsplattform über den Fluss.

Der erste Bauabschnitt des Projekts wurde bereits 2014 beendet. Dabei wurde ein Sandstrand mit Liegen angelegt sowie Kletterfelsen und Graffiti-Sprühwände geschaffen. Im August 2019 wurde ein neuer Spielplatz mit Wasserspiel-Elementen, einer Sandfläche und einer mit Graffiti gestalteten Kletterwand eröffnet. Wir sind begeistert von der tollen Wand, die Wasserspritzmöglichkeiten davor lassen das Kind im Manne erwachen und inspirieren den ein und anderen sie auszuprobieren.

Ein weiterer spektakulärer Abschnitt unseres Kurses beginnt kurz nach der MAN-Lechbrücke und führt uns am Wasserwerk gegenüber der Wolfzahnau vorbei bis hinunter zur rotlackierten Autobahnbrücke über die A8. Wild Cross in Vollendung, wobei die Pfade zwar schmal aber durchaus sehr gut zu laufen sind. Unter der Autobahnbrücke durch geht es weiter.

Nach 23 km erreichen wir am Eingang zur Deponie Augsburg-Nord unseren nächsten Höhepunkt und das im wahrsten Sinne des Wortes. Der Monte Scherbelino ist einer der höchsten Punkte von Augsburg und der Hausberg von Simon, er läuft ihn heute bereits zum 40 x in diesem Jahr hoch. 55 Höhenmeter sind dabei immer zu bewältigen, belohnt wird man vom imposanten Gipelkreuz aus mit einer großartigen Rundumsicht über die Stadt und noch deutlich weiter. Insgesamt wurden rund 2400 Meter Wanderwege angelegt, die auf unterschiedlichen Routen über den Gipfel führen.

Entstanden ist der ehemalige Schuttberg ab 1945, er beinhaltet über sieben Millionen Kubikmeter Müll. Aus dem anfallenden Deponiegas wird Strom gewonnen. Ab 1988 erhielt er eine Abdeckung mit Folien und eine mehrschichtige Lehmdecke. Zudem wurde eine dicke landschaftstypische Bodenschicht aufgetragen. Auf dem Berg entstanden so 17 Hektar Magerwiesen zur Schafbeweidung.

Nach einer kleinen Pause mache ich mich gemeinsam mit Andy und Axel auf den Rückweg, auf der Südroute verlassen wir den Aussichtsberg, um wieder an den Lech zu gelangen. Diesmal geht es über die Autobahn. Als Rückweg wählen wir den Stefan-Höpfinger-Weg neben den Trails, der Fuß- und Radweg führt uns bis zum Osramsteg, wo wir die Flussseite wechseln. Die Gleise der Augsburger Lokalbahn führen oben über den erst vor ein paar Jahren renovierten Steg, links und rechts darunter ist für Fußgänger und Radler vorgesehen. Andreas und Judith wählen die rechte Seite, was ihnen ein paar Zusatzmeter einbringt.

Nach genau 35 km stehen wir am Eingang zum Olympischen Eiskanal von 1972. Die Sanierungsarbeiten sind gerade abgeschlossen und die komplette Anlage wurde gestern ganz offiziell an die Stadt übergeben. Zwei Jahre wurde dort umgebaut und gewerkelt, um bei den Weltmeisterschaften heuer im Sommer wieder was hermachen zu können. Das weltweit „erste“ Kanuslalom Stadion mit einem Wildwasserkanal wurde für die olympischen Spiele vor 50 Jahren gebaut. Seit dieser Zeit gibt es hier auch das Bundesleistungszentrum. Vor der Kanuslalom WM steht am kommenden Wochenende bereits der erste Wettkampf auf der neuen Strecke an, die WM-Quali für alle deutschen Kanute*innen.

Nach den jahrelangen Bauarbeiten mit Umgehung wollen wir eigentlich ganz frisch wieder geradeaus durch die Anlage, eine Offizielle weist uns aber gerade noch darauf hin, dass wir zwar eine Runde drehen können, aber der Hinterausgang am Hochablass noch versperrt ist. So viel Glück hatte vor uns Tom nicht, er behalf sich mit einer Klettereinheit in bester Bundeswehrmanier über die Absperrmauer.

Nach Überquerung des Hochablass umrunden wir auf der linken Kuhseeseite halbseitig das Gewässer. Durch die Kuhseeheide geht es an die Lechdammstraße. Zwei Kilometer weiter erreichen wir den Auensee, auf schmalen Pfaden passieren wir wieder linksseitig, den besonders von Nackerten beliebten Badesee. Heute ist es denen aber noch zu kalt, für uns sind die etwa 15 Grad ganz passabel, wobei ich natürlich auch viel lieber in der Sonne laufen würde. Nach knapp 43 km erreiche ich das Ziel vor dem Restaurant Seeblick am Weitmannsee. Kaum zu glauben, unser Start- und Zielort liegt auf fast identischer Meereshöhe wie der Augsburger Müllberg.

Ich selbst werde jetzt keine Wertung über die Strecke vornehmen, sonst heißt es ja bloß: Eigenlob stinkt. Aber …schee war’s scho.

   
 
Charly
Bernie
Greppi
5:06:45
5:33:04
6:36:37
 
 
 
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