16.7.2022 Zugspitz Ultratrail
Autor: Bernie Manhard
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Nach zwei Jahren Pandemie bedingter Unterbrechung ist der Zugspitz Ultratrail, kurz ZUT genannt, zurück und kann heuer endlich auch sein 10. Jubiläum feiern. Wie die Zeit vergeht. Ich kann mich noch gut erinnern, im August 2010 war es, als ich zum ersten Mal die Nachricht von einem Lauf rund um Zugspitze las, lancierter Start Juni 2011. Trailrunning war hier zu Lande und auch generell gerade erst im Kommen, so war bei mir die Begeisterung riesig groß über einen Trail in diesen Dimensionen jetzt auch bei uns in Deutschland. Kannte man in erster Linie nur vom Event am Mont Blanc.

Die ersten Streckenangaben sprachen von einem Ultratrail über 100 km mit 6000 Höhenmetern und einem Supertrail über 65 km mit über 3700 Höhenmetern. Höhepunkt beider Strecken um das Wettersteingebirge, sollte der Aufstieg bis zum Gletscherrestaurant SonnAlpin, auf einer Höhe von 2600 m sein. Auch diese Streckendaten erinnerten wieder sehr an den UTMB, nur halt eine Nummer kleiner.

12 Jahre später wissen wir, dass es mit den Genehmigungen nicht ganz geklappt hat, um so weit nach oben zu gelangen, aber wer weiß, für was es gut war. Winterliche Verhältnisse gab es immer wieder mal bei den vergangenen Austragungen oder man musste zumindest größere Schneefelder mit ungewollten Rutscheinlagen passieren. Der Begeisterung für Deutschlands größtes Trailrunning Event hat es jedenfalls auch ohne Gipfelerlebnis nicht geschadet.

Von genau 676 Teilnehmern bei der Premiere 2011 ist der ZUT heuer auf einen neuen Rekord von 3750 angemeldeten Trailrunner*innen aus 56 Nationen angewachsen. Da solch eine Menge in Grainau nur noch beschwerlich gehändelt werden konnte, wird heuer der Event-Mittelpunkt sowie der Start des Ultratrail und Ziel aller Rennen nach Garmisch-Partenkirchen verlegt.

Diese sind von zwei auf fünf Strecken im Laufe der Jahre angewachsen und weisen Distanzen von 25 bis 108 km rund um Deutschlands höchsten Berg aus. Der Ultratrail als Königsdisziplin mit Start und Ziel in Garmisch-Partenkirchen ist nun 108 Kilometer lang, dabei sind über 5100 Höhenmeter zu bewältigen. Zweitlängste Strecke ist der Supertrail XL mit 82 km und 3700 hm mit Start in Grainau, der heuer als Lauf zur Deutschen Meisterschaft im Ultratrail gewertet wird. Von Beginn an im Programm ist der Supertrail mit 67 km und ca. 2900 hm, Start ist hier in Ehrwald. Teilnehmermäßig am begehrtesten sind die kürzeren Distanzen mit dem Basetrail XL mit 50 km und 1800 hm und dem Basetrail mit 24 km und 600 hm.

Zu allen Corona-Verschiebungen musste umständehalber dann auch noch der ursprünglich für den 17. bis 19. Juni angesetzte Termin um einen Monat verschoben werden. Grund war der von der Bundesregierung für Ende Juni kurzfristig angesetzte G 7 Gipfel in Schloss Elmau.

Meet & Greet zur Eröffnung

Am Freitag mache ich mich auf den Weg nach Garmisch-Partenkirchen, nicht ohne mich vorab schon mal online über die Parkmöglichkeiten informiert zu haben und plane dabei durchaus etwas mehr Zeit ein. Der komplette Veranstaltungsmittelpunkt liegt doch ziemlich zentral im Kurpark im Ortsteil Garmisch. Als beste Lösung erweist sich der Parkplatz am Eisstadion des SC Riessersee mit einigen hundert Stellplätzen, die sogar kostenfrei genutzt werden können. Hier ist auch die Abfahrt der Shuttle Busse in die unterschiedlichen Startorte vorgesehen. Das hatte ich mir doch um einiges komplizierter vorgestellt und bin jetzt schon mal um einiges entspannter, da ich diese Parkplätze auch am Samstag nutzen kann.

Der Fußweg zum Kurpark am Richard-Strauß-Platz ist in gut 10 Minuten locker zu schaffen und auch ganz easy zu finden, es geht immer geradeaus an der Olympiastraße entlang bis in den Kurpark. Registrierung und Abholung der Startunterlagen befinden sich in der angrenzenden Tourist Information. Ein verpflichtendes Race Briefing wird es heuer vor Ort nicht geben, das musste bereits online besucht werden und nur wer sein Häkchen gesetzt hat, dass er daran teilgenommen hat, kann heute seine Unterlagen abholen.

Jede Strecke hat einen eigenen Abholschalter und man kann gut sehen, welche Distanzen am begehrtesten sind, hier haben sich längere Schlangen gebildet. Ausgebucht sind seit einiger Zeit der Basetrail und der Basetrail XL, hier muss man je nach Uhrzeit schon etwas Geduld aufbringen. Gut gefüllt ist unser Startersackerl mit Goodys und Gutscheinen, empfohlen ist sie gut durchzusehen, denn an manchen der 36 Ausstellerstände, verteilt auf drei Straßenzüge der Expo kann man sich so noch weitere durchaus nützliche Geschenke, wie z.B. das offizielle Erste Hilfe-Päckchen für die Pflichtausrüstung des ZUT, oder auch eine Flask usw. abholen.

Nebenbei treffe ich dabei auch alte Weggef ährten aus früheren ZUT-Exkursionen, das sorgt für nette Gespräche und wir erinnern uns dabei wieder gerne an die Anfangsjahre des ZUT wo für mich praktisch das Trailrunning begann und mich in seinen Bann gezogen hat. Carsten und ich tragen natürlich stolz heute wieder unsere alten Finishershirts. Ich besinne mich noch gut daran, dass ich vor der ZUT Premiere 2011 noch nie mit Rucksack und schon gar nicht mit Stöcken gelaufen bin, obwohl ich bereits einige Bergmarathons absolviert hatte. Pflichtausrüstung war dort bisher nie ein Thema. Aber Trailrunning war irgendwie was Neues, war cool und es war auch durchaus verständlich, dass wir nicht mit Singlet, Rennhöschen und einem Gürtel mit Wasserflasche um das Wettersteingebirge ziehen können.

Die Trails in den Bergen und das Trailrunning haben mich seitdem verzaubert, sozusagen war der ZUT der Wendepunkt meiner läuferischen Karriere. Ich bin dabeigeblieben und bezeichnenderweise auch nie wieder einen City Marathon gelaufen. So kann’s gehen.

Die Unterhaltungen machen unheimlich viel Spaß und lassen jetzt auch meinen Magen knurren. Im Starterpacket befindet sich auch ein Bon für die Pasta Party, diese findet im Kongresszentrum und auch im angrenzenden Kurpark unter freien Himmel statt. Von 12.00 – 20.00 Uhr kann man sich seinen Teller unbegrenzt am Selbstbedienungsbüffet auftürmen, was einige auch in die Tat umsetzen. Ich wundere mich immer wieder, wie die Leute das reinschaufeln. Bei dem herrlichen Wetter sitzt es sich im Kurpark wunderbar. Um das festinstallierte Zeltdach sind diverse Bierbankgarnituren aufgebaut und irgendwo findet sich da immer ein Plätzchen.

Auf der Bühne spielt die Band „Disco Fever“ Ohrwürmer aus den 70/80er Jahren. Das ist jetzt zwar nicht vergleichbar mit den Goaslschnalzern, die im Musikpavillon in Grainau in den Anfangsjahren die Puppen tanzen ließen, bzw. ihre Peitschen, stehend auf den Tischen über unsere Köpfe schnalzen ließen, aber der Zugspitz Ultratrail teilt sich an diesem Wochenende den Kurpark mit dem Benefizfestival „Lieder im Park 2022“, deren Veranstalter auch nach der kurzfristigen Verlegung des ZUT wegen des G7 vom ursprünglich geplanten Eventgelände an den Garmischer Olympiaschanzen keine Einwände hatten den Kurpark mit dem ZUT zu teilen. Auch vier Wochen nach dem G7-Gipfel stehen an den Schanzen noch unzählige Container und blockieren das Gelände.

Um 18.30 findet die offizielle Eröffnung mit Reden der Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen und den Bürgermeistern von Mittenwald und Grainau auf den Vorplatz des Kongresszentrums statt. Das Briefing vom Renndirektor Kurt Hafenmair ist nur kurz und bezieht sich eigentlich nur aufs Wetter und dass trotz der traumhaften Aussichten warme Kleidung als Pflichtausrüstung bestehen bleibt. Plan B Geschäftsführer Heinrich Albrecht hält sich wie immer kurz und freut sich, dass der ZUT endlich in die 10. Runde geht.

 
   
 
 

Endlich kann’s losgehen

Im Halbstundentakt fahren die Busse für die unterschiedlichen Startorte am Eisstadion ab. Wie zur Premiere 2011 werde ich wieder beim Supertrail mit Start in Ehrwald in Tirol an den Start gehen. Ausgeschrieben isser mit 68 km, der aktuelle Track, der zum Download bereitgestellt wurde, ist etwas kürzer und weist nun noch genau 65,2 km auf. Auch heute gibt es um das Olympia-Eissportzentrum und dem angrenzenden Alpspitz-Wellenbad noch freie Parkplätze, so habe ich bis zur Abfahrt meines Shuttles um 7.30 Uhr noch etwas Zeit und spaziere noch zum Kurpark, um kurz dem Start des Ultratrails beizuwohnen der um 7.10 Uhr startet.

Für die Fahrt nach Ehrwald benötigt der Bus etwa eine halbe Stunde, so sind wir noch vor 8 Uhr am Startgelände am Martinsplatz. Die Wiese liegt noch im Schatten und es ist noch relativ frisch. Für den Starterbeutel konnte ein Aufkleber mit Startnummer geordert werden, so können wie noch die Restzeit bis zum Start mit Wärmebekleidung verbringen, die anschließend wieder ins Zielgelände transportiert wird. Mein Wunschziel wäre noch am Samstag das Ziel zu erreichen, das wird dann aber sicher schon in der Nacht sein und dann freue ich mich wieder auf meine warmen Klamotten zurückgreifen zu können.

Apropos Zeit. Äußerst großzügig ist das Zeitlimit, um 2.30 Uhr müssen die Teilnehmer*innen des Supertrail das Ziel in Garmisch passieren, das sind 17:30 Stunden Zeit, das müsste für mich gut machbar sein.

Ohne Kontrolle der Pflichtausrüstung kommt keiner in den Startkanal, man wird dann auch auf einer Liste abgehakt. Bisher war es musikalisch noch ruhig, aber auf die Strecken werden wird man traditionell beim ZUT mit „Highway to Hell“ geschickt und das, obwohl für die Premiere mit „Coming home“ von Toba ein eigener Song für den ZUT komponiert wurde, der aber eher eine Ballade ist und so für einen einpeitschenden Startsong wohl zu wenig Power hat und natürlich auch nur wenige kennen. Um Punkt 9 Uhr geht‘s los.

Der Anfangskilometer führt bereits leicht steigend durch Ehrwald, links flankiert vom präsent aufragenden Zugspitzmassiv. Nach 1,8 km erreichen wir die Talstation der Erwalder Almbahn, dort wechseln wir von Asphalt auf einen Wanderweg. Gleichmäßig steigend führt er uns nach oben. Unsere ersten 500 Höhenmeter dürfen wir an der Erwalder Alm nach 4,5 km abhaken.

Einen Kilometer später erreichen wir mit Station 5 auch unsere erste Versorgungsstation, das ist etwa 1,5 km früher als das, das aufgedruckte Höhenprofil auf der Startnummer anzeigt und liegt an der kleinen Streckenverkürzung. Station 5 weil sie die fünfte VP auf der Runde des Ultratrails ist und alle anderen Strecken über diesen Kurs führen. Das Feld ist noch relativ dicht beisammen, so kommt es an der Getränkeausgabe zu einem kleinen Stau. Ich halte mich erstmal an Wurst und Käse, mir fehlt noch ein ausreichendes Frühstück.

Zum höchsten Punkt


Kurz danach verlassen wir den bequemen Wanderweg, die Steigungsprozente legen jetzt spürbar zu. Ein Steig führt uns durchs Gaistal bis zur Hochfeldern Alm. Die vielen Kühe am Wegesrand scheinen Menschen gewohnt zu sein und lassen sich durch uns beim Grasen nicht aus der Ruhe bringen. Auf einer kleinen Erhebung am Brand (2120 m) haben sich einige Wanderer niedergelassen und genießen die großartige Aussicht. Und es geht so weiter, die folgenden hochalpinen Kilometer gehören sicherlich zum schönsten, was der ZUT zu bieten hat.

Die Leipziger Mädels hinter mir, sind der gleichen Meinung, wir verweilen am nächsten Übersichtspunkt kurz und saugen das Panorama auf, dazu machen wir ein paar Schnappschüsse. „Wow, noch mit einer richtigen Digitalkamera“ bekomme ich zu hören. Ist vielleicht etwas Old School, dafür aber wesentlich komfortabler als mit einem Smartphone.

Leicht abschüssig und steinig geht es runter zum Feldernjöchl. Vom Veranstalter ist diese Passage auch als Gefährliche Sektion markiert. Der Pfad führt mitten durch eine geröllbeladene Bergflanke, das macht es etwas rutschig. Aber halb so schlimm, etwas Vorsicht ist aber durchaus angebracht.

Nach der Querung weist ein Schild nach links zum Gatterl, der Grenze von Österreich nach Deutschland. Auf den Gipfel der Zugspitze führen insgesamt sechs Wege. Die Tour übers Gatterl und über die Knorrhütte ist lang, aber vergleichsweise einfach und verlangt nicht zwingend nach hochalpiner Erfahrung. Im Übrigen entspricht unser bisher zurückgelegter Weg vom Start auf dem Martinsplatz bis hier und dem weiterführenden Weg übers Gatterl auf den Zugspitzgipfel ziemlich exakt der Strecke des früheren Zugspitz-Extrem Berglaufs, der vor einigen Jahren eingestellt wurde.

Für uns geht es aber hier geradeaus und steil aufwärts weiter, auf den höchsten Punkt unserer Strecke auf knapp 2200 m. Auf diesem supersteilen Anstieg werde ich gerade von einer der ersten Frauen bei den Deutschen Ultratrail Meisterschaften überholt. Ganz beruhigend für mich zu sehen, dass auch solch eine Spitzenläuferin diesen megasteilen Anstieg nicht wie eine Gemse hochspringen kann, sondern ebenfalls nur im langsamen Hiking-Modus. Ein erfrischendes Lüftchen sorgt hier oben für angenehme Temperaturen.

Auf dem höchsten Punkt am Wannigjöchl feuert uns Race- und Streckenchef Martin Hafenmair höchstpersönlich mit der Kuhglocke an. Damit hat er sich auch einen der beeindruckendsten Aussichtsplätze des ZUT ausgesucht mit mega Aussicht auf den Gipfel der Zugspitze und auf das Zugspitzplateau. Wer weiß eigentlich heute noch, dass „die Zugspitze“ ursprünglich „der Zugspitz“ hieß und männlich war. Grund für die Änderung war die Sprachpolitik, da die Namen der Berge dem hochdeutschen Sprachgebrauch angepasst wurden. Die Bergnamen mit „Spitze“ wurden ab dem 19. Jahrhundert verweiblicht.

Gemischt auf schönen Wiesenpfaden und gerölligen Abschnitten geht es anschließend über 1,5 km abwärts bis zum Steinernen Hüttl auf 1925 m, wo wir wieder die Richtung nach oben einschlagen. Lange zieht mich beim Aufstieg der Predigtstein wegen seiner tektonisch beeindruckenden und fast senkrecht gestellten Kalkplatten in seinen Bann. Bis kurz vor die Wand führt uns ein wunderbarer Wiesentrail.

Ab hier liegt ein 6,5 km langer Downhill mit über 700 negativen Höhenmetern bis zur Hämmermoosalm vor uns. Auf ausgewaschenen Pfaden geht es anfangs richtig steil abwärts. Zwischendrin liegt auch ein zwei Kilometer langer Abschnitt auf einer Schotterstraße, wo man es auf Serpentinen schön laufen lassen kann. Vom kühlenden Wind kommt in dieses Tal aber wenig an, so ist es doch trotz der Höhenlage sehr warm. Fast unten erwartet uns rustikal durch den Wald wieder äußerst schwieriges Terrain.

Nach 19,5 km erreichen wir Station 6 an der Hämmermoosalm. Die Teilnehmer*innen am Ultratrail konnten sich ihre Drob Bags hierher transportieren lassen und können jetzt Kleidung, Schuhe oder sonstige Ausrüstungsteile wechseln. Das gilt nicht für die Stöcke, entweder man beginnt das Rennen mit ihnen und transportiert sie bis ins Ziel oder man verzichtet darauf, zwischendrin dürfen keine aufgenommen werden. An Verpflegung gibt es an der Station eigentlich alles was das Herz begehrt. Im aufgestellten Pavillon gönne ich mir im Schatten eine etwas längere Pause.

Fast die gleiche Anzahl an Höhenmetern, die wir beim Downhill abgebaut haben, dürfen wir jetzt wieder hinauf, etwa 650 hm verteilt auf 6 km bis zum Scharnitzjoch liegen vor uns. Auf einer Forststraße geht es anfangs noch recht bequem durch das Waldgebiet, bis unser Weg auf den Wurzeligen Pfad führt und sich steil nach oben windet. Dies fordert auch wegen der hohen Temperaturen wieder einen enormen Kraftaufwand. In dem Nadelgehölz rührt sich kaum ein Lüftchen. Eine willkommene kurze Erfrischungspause bietet die Überquerung des Klammbaches. Eine Mütze erfrischendes Gebirgswasser hat schon was für sich.

Auf 1755 m Höhe passieren wir die Wangalm, sie markiert auch den Wiedereintritt in alpinere Regionen. Hoch über uns kann man schon den unterhalb des Kirchlgipfels liegenden Übergang am Scharnitzjoch erkennen. Bis hinauf auf den Grat auf 2048 m liegen noch zwei abwechslungsreiche, aber auch wunderschöne Kilometer durch teilweise schöne Felsformationen vor uns. Nach einer finalen Geröllpassage an der Bergflanke entlang erreiche ich mit Nina schließlich den Grat des Scharnitzjochs. Wir sind uns heute schon des Öfteren über den Weg gelaufen und haben irgendwo die gleiche Pace. Mein GPS meldet mir 25,5 km und 2100 zurückgelegte Höhenmeter.

Ein paar Meter neben dem Übergang bietet mir eine Bank eine wunderbare Gelegenheit, um eine kurze Verschnaufpause einzulegen und das grandiose Panorama zu genießen und dazu auch einen längeren, vor uns liegenden Streckenabschnitt hinunter ins Puittal in Augenschein zu nehmen.

Über einen nicht einfach zu laufenden Pfad geht es über teils steile Grashänge, durchsetzt mit vielen Steinen und Felsen abwärts. Bis ganz runter ins Tal und bis zur nächsten VP liegen diesmal 930 Höhenmeter im Downhill vor uns. Zur Hälfte des Abschnitts laufen wir durch grüne Wiesen, neben der Strecke weiden Kühe und Pferde.
Ab Waldgrenze wird der Spaß wieder deutlich verschärft, sprich steiler. Durch den Puitbacher Wald führt uns ein schmaler Pfad serpentinenartig über Wurzeln und Gestein hinunter ins Tal. Nach 32 km erreiche ich am Ortsrand von Weidach unsere dritte Labestelle, die bis 18.00 Uhr passiert werden muss. Davon bin ich noch über eine Stunde entfernt, so kann ich mich in aller Ruhe am Verpflegungsstand laben.

 
   
 

Flachetappe

An der Leutascher Ache entlang führt unser Weg weiter, hier gibt es auf den nächsten 10 Kilometern fast keine Höhenmeter mehr zu bewältigen, der hochalpine Streckenabschnitt liegt hinter uns. Meist im Schatten kann man hier ordentliches Lauftempo aufnehmen. Dazu sind die hohen Temperaturen jetzt am späten Nachmittag auch spürbar nach unten gegangen.

Kurz vor der Leutascher Geisterklamm müssen wir noch etwa einen Kilometer am Seitenrand der Staatsstraße auf Asphalt absolvieren. Wir sollen aufpassen, ermahnt uns ein Helfer, hin und wieder kommen auch Fahrzeuge entgegen. Links auf der Wiese sind kurz vor der Geisterklamm noch die Reste der „Leutascher Schanz“ zu sehen, sie gehörte zur ehemaligen Befestigungsanlage Porta Claudia die von Napoleons Truppen während eines Feldzuges 1805 erobert wurde.

Nach rechts geht es in die Leutascher Geisterklamm, wovon ein Großteil auf modernen Metallstegen in luftiger Höhe begehbar ist. Unsere Laufstrecke führt aber nur über einen 2,5 km langen unspektakulären Abschnitt, der dafür aber gut laufbar ist und am Ende mit einem deftigen Schlussabstieg endet.

Ein geteerter Radweg lotst uns an den Ortsrand von Mittenwald, das wir aber nur am Rande tangieren. Ein kurzer Anstieg an einer Straße entlang bringt uns nach 45 km zur Verpflegungsstation 8 am Schützenhaus. Ich benötige eine längere Pause, weil ich mich für die Nacht vorbereiten will. Zur Pflichtausrüstung gehören u.a. Armlinge und Shirt, auf die ich jetzt wechsle. Das trockene Shirt führt gleich zu einem enormen Wohlgefühl. Zudem befördere ich auch gleich meine Stirnlampe aus den untersten Tiefen des Rucksackes nach oben, damit sie im Dunklen schnell griffbereit ist.

Wir dürfen wieder etwas aufsteigen, ein gefälliger Wanderweg führt uns unterhalb des Burgbergs und Grünkopfs in einem stetigen Auf und Ab durch den Wald zum Ferchensee, wo eine wunderschöne Abendstimmung herrscht. Der Hohe Kranzberg leuchtet von der Sonne noch angestrahlt in warmen Orange über den See.

Unsere nächste VP liegt vor Schloss Elmau, das ich im letzten Tageslicht erreiche. Von hinten kann man vom Ort des G7-Gipfels, bis auf den Turm nicht sonderlich viel erkennen, aber da trügt wohl der Schein. Erbaut wurde es während des Ersten Weltkriegs von 1914 bis 1916 mit ausgebautem Walmdach, Turm und Vorhallen. 2005 wurde es bei einem Brand zerstört und in der Folge teilweise abgerissen. Anschließend wieder neu als Fünf-Sterne-S-Hotel mit weitreichenden Umbauarbeiten aufgebaut. Aus kleinen Zimmern wurden große Suiten und ein neuer Gebäudekomplex entstand. Dazu ein neues Spa mit Wellnessbereichen für Familien und, getrennt davon, Spa-Bereiche für Gäste, die ihre Ruhe möchten. Es gibt sechs Restaurants, einen Buchladen, fünf Pools und als Herzstück des Hotels einen Konzertsaal.

Das hilft mir jetzt alles nicht weiter, aber an der VP kann mir geholfen werden und wie. Ganz frische Pizzen aus dem Ofen werden uns angeboten und ich hab auch richtig Appetit darauf. Schmeckt hervorragend. Nach einer kurzen Rastzeit im Liegestuhl mit Pizzaverzehrung mache ich mich auf den Weg zum letzten Anstieg des Rennens.

Es wird Nacht in den Bayerischen Alpen

Mit etwas Abstand kann man schon die fantastische Lage von Schloss Elmau in dem weiten Elmauer Hochtal unterhalb des Wettersteingebirges sehen. Eine Teerstraße führt uns wieder an den Waldrand und zum Aufstieg. Die Sonne ist mittlerweile untergegangen, aber man kann immer noch gut ohne Stirnlampe vorankommen. Erst auf dem höchsten Punkt nach 3 km und 300 Höhenmetern aktiviere ich meine Stirnlampe.

Stimmen im Dunklen verheißen uns Spritz, Bier und weitere Alkoholika. Es ist tatsächlich war, eine Gruppe Freaks hat hier überraschend einen privaten Tisch aufgebaut und bietet diverse hochprozentige Getränke an. Zwei Becher Radler nehme ich gerne an, bin dabei aber einer der wenigen, die meisten trauen wohl dem Angebot nicht oder haben es eilig und huschen schnell am Stand vorbei.

Nach 59 km erreichen wir beim Berggasthof Eckbauer dann auch den letzten offiziellen Versorgungsstand. Ich benötige jetzt nur mehr einen Becher Cola und weiter geht’s. Von unten im Tal kann man bereits in noch weiter Entfernung Musik aus Garmisch vernehmen. Ich gehe davon aus, dass sie vom Festival im Kurpark stammt, so werden wir auch noch etwas unterhalten.

Das grausamste kommt zum Schluss, es ist der 3 km lange Abstieg hinunter nach Garmisch. Auf Asphalt und Schotter führt uns ein steiler Weg nach unten, mir brennen die Oberschenkel, sodass an Laufen gar nicht zu denken ist, um nicht noch mehr die Oberschenkelbremsen einsetzen zu müssen.

Die finalen Kilometer führen uns über einsame Wege und Straßen von den Olympia-Schanzen bis zum Zielbogen auf den Richard-Strauss-Platz. Ich habe mein gestecktes Ziel erreicht und bin noch vor Mitternacht im Ziel, wo uns auch gleich die Medaille überreicht wird. Ein sehr schön gestaltetes Finishershirt in Schwarz und Silber dürfen wir uns im Kongressgebäude abholen. Hier ist auch noch ein großes Büffet für die Finisher aufgebaut.

Viel mehr benötige ich jetzt nicht mehr, außer vielleicht noch eine Dusche, dafür habe ich mit meinen Wechselklamotten auch Duschutensilien abgegeben. Auch hier ist vorgesorgt, im hinteren Teil des Kongressparks steht ein Duschcontainer, aus dem auch noch nach Mitternacht richtig heißes Wasser sprudelt.

Früh am Morgen bin ich wieder am Zielbogen und sehe mir noch einige Zieleinläufe der Ulratrailer*innen an, nach exakt 27:11:36 Stunden überquert heute der letzte Finisher die Ziellinie und ist dabei einer von 3022 Starterinnen und Startern der Jubiläumsausgabe des Zugspitz Ultratrail. Mich interessiert noch die Siegerehrung der DUV bei den Deutschen Meisterschaften im Ultratrail. Viele bekannte Gesichter treffe ich hier wieder. Deutsche Meister wurden Anna Hahner und Markus Mingo.

Der ZUT hat wieder alles gehalten was er versprochen hat. Garmisch-Partenkirchen ist ein würdiger Nachfolger von Grainau und bietet beste Voraussetzungen für nachfolgende Events. An meiner Stelle noch ein großes Dankeschön an die Plan B event company für 10 herausragende Jahre Trailrunning in Deutschland.

 
   
 
Bernie 14:41:33
   
Veranstalter: zugspitz-ultratrail.com  
 
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