Ein kleines Jubiläum feiert heuer der Munich Urban Trail Marathon. Zum fünften Mal wird der MUCUT in der Bayerischen Landeshauptstadt ausgetragen. Andreas hat immer wieder mal kleine Optimierungen an der Streckenführung vorgenommen, so auch heuer wieder. Wir durchqueren diesmal vor dem Olympiagelände noch das ehemalige Olympische Dorf und den Olympiapark, gestrichen wird dafür die Passage von der Theresienwiese zum Westpark. Auch wenn der Westpark wunderschön ist, wir tangierten die Parkanlage bisher immer nur ganz am Rande, Hauptanteil waren eigentlich immer nur der An- und Ablaufweg. Dafür bekommen wir neue Highlights hinzu. Scheint eine tolle Alternative zu sein.
Neben dem nostalgischen Müller’sches Volksbad liegt wie immer mein Ausgangspunkt. Als Geheimtipp funktioniert immer noch der kleine Parkplatz in der Zellstraße neben dem Bad. Etwa 25 PKWs finden hier Platz und bisher hatte ich jedesmal das Glück hier parken zu können. So auch heute wieder, mir fällt ein Stein vom Herzen. Parkplatzsuche in München ist nicht unbedingt prickelnd, aber vor allem zeitraubend, auch wenn es im Umkreis einige Parkhäuser gibt. In der Nähe der Parkplätze gibt es ein Toilettenhäuschen, welches auf Höhe der Muffathalle liegt und zugleich auch immer unser Treffpunkt und unser primäres Ziel ist, wo die Uhren am Ende gestoppt werden. Den Start hat Andreas wie gewohnt auf die gegenüberliegende Isarseite, vor St. Lukas gelegt. Die Kirche erreichen wir über den Kabelsteg in etwa 500 Meter Entfernung. Die Strecke ist mit etwa 43 km eh schon großzügig konzipiert, so sparen wir uns eine weitere Erhöhung der Streckenlänge.
Die Wettervorhersage ist für heute eher durchwachsen. Schauer und sogar Gewitter sind uns vorhergesagt. Prompt erwischt uns ein erstes Regenintermezzo auf halben Weg zum Startplatz. Auf der Starterliste stehen 12 Starter, nicht alle haben sich zum Gemeinschaftsstart um 9.25 Uhr eingefunden. Andreas erlaubt auch Frühstarts. So sind heute mit Daniel, Tim und Phillip bereits drei Starter seit den frühen Morgenstunden unterwegs. Letzterer trifft kurz vor unserem Start gerade ein. Er ist die Strecke bereits in entgegengesetzter Richtung gelaufen und beendet hier vor St. Lukas seinen Lauf und darf noch mit aufs Starterfoto. Mit Greppi, Jürgen, Roland, Udo und natürlich den Organisatoren Andreas und Judith sind ansonsten wie immer viele gute Freunde am Start.
Nach Wadenverhärtung und Krankheit bin ich in den letzten 4 Wochen nur mehr sporadisch ein paar Kilometer gelaufen, so rechne ich mir heute eigentlich keine Zielankunft aus, da müsste schon viel passieren. Erst seit gestern haben sich meine Bronchien wieder beruhigt und ich fühle ich mich heute sogar einigermaßen gesund, nachdem ich letztes Wochenende noch meinen Einsatz beim Lake Garda 42 schweren Herzens absagen musste. Für den eigentlich erwarteten Notfall habe ich aber in jedem Fall einen Plan B, C und sogar D im Kopf und vorher etwaige Abkürzungen, bzw. Rückführungen zum Start, genauestens studiert. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, heute die komplette Strecke durchzustehen.
Wir warten noch den ersten Regenduscher ab und starten etwa 5 Minuten später als geplant. Judith zählt von 10 runter und los geht’s. Nach ein paar Metern erreichen wir bereits das Maxmonument und die Maximilianstraße. Wenn man in München unterwegs ist, muss man zwangsläufig auch größere Straßen überqueren. Andreas hat diese Überquerungspunkte in Fußgängerunterführungen oder U-Bahn-Verteilergeschosse gelegt, so dass wir hier keinem Verkehr ausgesetzt sind. Dass dies aber gar nicht so easy ist, wird jedem schnell klar, der so unterwegs ist. Die Unterführungen sind weitläufig mit vielen Ausgängen angelegt und das GPS-Signal auf unseren Uhren funktioniert unten nicht mehr. Für den Notfall hat uns Andreas eine Liste der Ein- und Ausgänge vorab mitgeteilt, welche jemals mit Buchstaben versehen sind. Ich habe die Liste zwar dabei, halte mich aber lieber, solange es geht, in der Nähe von Andreas auf, er bringt uns immer zielsicher auf die andere Straßenseite. Erstmals in den Underground geht es am Thomas-Wimmer-Ring.
Mit Hofbräuhaus, Marienplatz und Frauenkirche passieren wir auf den ersten Kilometern bereits echte Münchner Touristenhochburgen. Und es geht so weiter, über die Residenzstraße erreichen wir die Feldherrnhalle und die auffällig gelbe Theatinerkirche St. Kajetan. Bewegungsmäßig ist hier gerade richtig was los, nicht Touristen, sondern auffällig viele Läuferinnen und Läufer mit Startnummer kommen uns heute in der Innenstadt entgegen, allesamt mit Karte in der Hand. München steht an diesem Wochenende ganz im Zeichen des Orientierungslaufs, das Ziel des 2. Munich O-Cup 2026 liegt auf dem Odeonsplatz. Von dort biegen wir nach knapp 3 km nach rechts in den Hofgarten ein.
An der Bayerischen Staatskanzlei vorbei, geht es in den Englischen Garten. Wir passieren den Eisbach. Die in die Schlagzeilen geratene Surfwelle ist nur ein paar hundert Meter entfernt. Am etwas höher gelegenen Monopteros genießen wir die wunderbare Aussicht über den Englischen Garten. Der Tempel im griechischen Stil liegt auf einem 16 Meter hohen Hügel. Wir passieren auf unserem etwa 3,5 km Durchlauf durchs Grüne den Chinesischen Turm und den Kleinhesselloher See. Plan D kann ich schon mal streichen. Der sah vor, mich vom Englischen Garten zur Isar durchzuschlagen und von dort zurück zum Parkplatz, falls mir die Kraft so früh schon ausgeht.
In Schwabing an der Ungererstraße, Höhe Nordfriedhof, steht unser zweiter Untergrundbesuch an. Km 7,8 U-Bahn Nordfriedhof: geradeaus unter der Straße durch, hat uns Andreas gebrieft. Das ist noch relativ einfach. Bis auf Greppi und Jürgen sind wir noch gemeinsam unterwegs, so können wir die Führung immer noch Andreas überlassen.
Am Scheidplatz (Km 10) geht es erneut abwärts, hinunter bei E und hinauf bei F, das war wieder relativ einfach. Direkt danach steht unser erster Aufstieg an, der uns in den Luitpoldpark führt. Der Luitpoldhügel ist 37 Meter hoch und einer der drei großen Schuttabladeplätze für die Trümmer der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Häuser Münchens. Bei klarem Wetter hat man gute Sicht auf die Berge, heute beherrschen die Wolken den Horizont, aber es bleibt erstmal trocken und wird auch wärmer. Noch etwas höher als der Aussichtspunkt, steht das Gipfelkreuz aus einer Stele aus grobkörnigem Stahl und einer darauf montierten rechteckigen Bronzeplatte mit Inschrift. Andreas ist in seiner Kindheit im Winter oft hier runtergerodelt, heute muss er langsam machen …das Knie.
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