Zum dritten Mal wird der Hahnenkammsee-Marathon von Stefan Schneider und Oliver Osbelt veranstaltet, dazu kommt heuer erstmals ein Ultra Trail mit 50 km, der als HUT50 bezeichnet ist. Die Idee zum Lauf um den Hahnenkammsee hat Stefan von der KMC übernommen, was bei der Kuhsee Marathon Challenge so prima funktioniert, kann er auch vor der eigenen Haustüre anbieten.
Um die angebotenen Distanzen zu bewältigen, stehen uns eine Seenrunde mit 3,3 km Länge und eine 10 km lange Trailrunde, die etwa 250 Höhenmeter aufweist und über die Hügel des Hahnenkamms führt, zur Verfügung. Beim Marathon kann man beide Schleifen beliebig kombinieren, am Ende sollten für eine Marathonwertung halt mindestens die erforderlichen 42,2 km auf der Uhr stehen. Das können z.B drei Trailrunden mit je 10 km und 4 Seenrunden á knapp 3,3 km sein, oder wie auch immer. Natürlich besteht für Tempoläufer und „Flachländer“ auch die Alternative, ausschließlich 13 Runden, um den See zu kreiseln. Je nach Gusto. Wer sich für den HUT50 entscheidet, hat diese Möglichkeiten aber nicht, die- oder derjenige muss zwingend 5 Trailrunden laufen, um in die Wertung bei der DUV zu gelangen.
Mit der berühmten Abfahrtsstrecke in Tirol hat „unser“ Hahnenkamm natürlich nichts zu tun, wir befinden uns hier in der Region zwischen Altmühltal und Ries in der Fränkischen Alb. Der Hahnenkammsee ist der älteste und zweitkleinste der künstlichen Seen im Fränkischen Seeland. Er ist 1,3 Kilometer lang, etwas über 200 Meter breit und liegt am Heidenheimer Ortsteil Hechlingen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Den langgezogenen See umgeben die sanften Hügel des Hahnenkamms. Mitte der 70er-Jahre ist er als Pilotprojekt für das Fränkische Seenland angelegt worden. Die offizielle Einweihung fand am 1. Juli 1977 statt.
Bei meiner Abfahrt zu Hause regnet es noch ziemlich stark, aber bei Ankunft 80 km weiter nördlich fallen nur mehr wenige Tropfen vom Himmel, das passt schon mal. Der Parkplatz ist nur 100 Meter vom Haus am See entfernt, wo sich unser Start- und Ziel befindet. Optimal. Duschen und Toiletten befinden sich im Seehaus, die wir auch benützen dürfen. Anfangs war der Lauf für 30 Personen ausgeschrieben, aber aufgrund reger Anmeldezahlen, wurde noch auf 40 Läuferinnen und Läufer erhöht. Jeder der heute auf die Strecke geht, bekommt eine Medaille, dazu stehen noch Getränke und etwas zum Knabbern bereit. Das ist schon richtiger Luxus für einen privat veranstalteten Run. Dazu das Ganze für „Null“ Startgeld, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Spenden nimmt Stefan auch nicht an, alles geht auf die Kosten der Organisatoren. Besten Dank an Stefan und Olli.
Auf der Starterliste stehen wieder viele der üblichen Verdächtigen, so kann ich gleich Greppi, Kati, Klaus, Tom, Dieter, Yvonne, Udo und noch ein paar mehr begrüßen. Insgesamt haben sich 37 Läuferinnen und Läufer heute eingefunden, davon werden 19 den HUT50 in Angriff nehmen. Nach Stefans Einweisung begeben wir uns zur Startlinie, natürlich darf ein Gruppenbild aller Teilnehmenden vor dem Start nicht fehlen.
Pünktlich um 9 Uhr wird gestartet. Alle Runden dürfen ausschließlich im Uhrzeigersinn gedreht werden. So folgen wir erstmal dem See entlang Richtung Süden. Der Weg ist problemlos zu laufen, von den zurückliegenden Schnee- und Regenfällen ist hier kaum etwas bemerkbar. Nach 800 Metern trennen sich am See-Ende die Seen- und die Trailrunde, für die Trailliebhaber geht es noch 200 m gerade aus weiter.
Eine Spitzkehre führt uns in den Wald und aufwärts auf den Schmidsberg. Es ist zugleich auch mit 60 Höhenmetern der längste Anstieg. In den tiefen Fahrspuren des Waldweges steht noch etwas Wasser, hier kann man sich schnell nasse Füße einhandeln. Besser ist es in der Mitte oder neben den Spuren auf nassem Laub. Tief sinkt man in das Terrain ein, so ist es doch spürbar anstrengender als auf dem Uferweg. Zaggi läuft vor mir, bei meinem letzten Trail im Spalter Hügelland hat er mich mehrfach vorm Verlaufen gerettet. Heute habe ich den GPX-Track auf der Uhr, aber Stefan und Oliver haben sich sogar den Luxus erlaubt und die Strecke mit Schildern, pinkfarbenen Kreidespray und Flatterbändern zu markieren. Da gibt es wirklich nix zu meckern.
Der Schmidsberg zählt noch zum äußeren Kraterrand des UNESCO Global Geopark Ries. Europas besterhaltenen Meteoritenkrater. Vor 15 Millionen Jahren raste ein etwa 1 km großer Asteroid, begleitet von einem 150 m großen Trabanten, auf die Erde zu. Beide schlagen mit einer Geschwindigkeit von über 70.000 km/h auf der Albhochfläche ein und erzeugen die zwei Krater Nördlinger Ries und das Steinheimer Becken mit Durchmessern von 25 und 4 km.
In den ersten Sekunden nach dem Einschlag entstand im Ries eine Kraterhohlform, die eine Tiefe von 4,5 km erreichte. Die ausgeschleuderten Gesteinsmassen reichten bis zu einer Entfernung von 50 km. Eine Glutwolke aus geschmolzenem Gestein stieg über der Einschlagstelle auf, fiel schnell in sich zusammen und lagerte sich als heiße Gesteinsmasse über dem Krater und seiner Umgebung ab. Nach wenigen Minuten waren alle Gesteinsbewegungen beendet. Dadurch entstand das Nördlinger Ries mit dem bis zu 150 Meter hohen Kraterrand, auf dem wir uns gerade befinden. Wir sind hier keine 20 km vom Kratermittelpunkt, der in der Nähe von Nördlingen liegt, entfernt.
Nach dem Anstieg geht es wellig weiter bis zum Bergershof, hier ist das südlichste Ende der Trail-Route erreicht. Den Untergrund muss man schon im Blick behalten, immer wieder gibt es unter Wasser stehende Passagen zu umgehen. Auf ganz passabel zu laufenden Wegen, die hoch mit Laub bedeckt sind, geht es abwärts zurück Richtung See. Nach 5,5 km wechseln wir über die Staatsstraße zu den östlichen Hügeln. Auf den Schlossberg führen uns 55 Höhenmeter auf Treppenstufen mit Geländer steil nach oben. Hier befand sich mal eine hochmittelalterliche Adelsburg, von der noch der Burgwall erhalten ist. Wir bekommen ihn aber nicht zu sehen.
Nach 7,5 km hat man einen schönen Ausblick auf den unter uns liegenden Hahnenkammsee, ich nütze das Panorama für ein paar Selfies und kann auch schon ein paar Rundendreher auf der Seenrunde entdecken, ich bin wohl dadurch etwas abgelenkt und achte nicht mehr auf Streckenmarkierungen. Bergab auf Asphalt kann man es schön laufen lassen. Am Seeufer treffe ich auf Yvonne und Dieter, die gemeinsam um den See jagen. Yvonne ist gerade auf Marathon-Bestzeitenjagd, gepaced von Dieter. Da geht die Post ab.
Aber irgendwie bin ich mir auch gerade unsicher, ob dieser Downhill wirklich zur Trailrunde gehört. Ein Blick auf den Track verrät mir, da stimmt was nicht. Geht das jetzt schon wieder los. Ich habe die Anhöhe zu früh verlassen und dadurch etwas abgekürzt. Ist nicht ganz so schlimm, da ich nicht vorhabe, den HUT50 zu laufen, aber die fehlenden Meter muss ich wohl irgendwo nachholen. Meine erste Runde beende ich nach 9,2 km, damit habe ich etwa 800 Meter abgekürzt.
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