22.02.2026 Hahnenkammsee Marathon
Autor: Bernie Manhard  
 
 
 

Zum dritten Mal wird der Hahnenkammsee-Marathon von Stefan Schneider und Oliver Osbelt veranstaltet, dazu kommt heuer erstmals ein Ultra Trail mit 50 km, der als HUT50 bezeichnet ist. Die Idee zum Lauf um den Hahnenkammsee hat Stefan von der KMC übernommen, was bei der Kuhsee Marathon Challenge so prima funktioniert, kann er auch vor der eigenen Haustüre anbieten.

Um die angebotenen Distanzen zu bewältigen, stehen uns eine Seenrunde mit 3,3 km Länge und eine 10 km lange Trailrunde, die etwa 250 Höhenmeter aufweist und über die Hügel des Hahnenkamms führt, zur Verfügung. Beim Marathon kann man beide Schleifen beliebig kombinieren, am Ende sollten für eine Marathonwertung halt mindestens die erforderlichen 42,2 km auf der Uhr stehen. Das können z.B drei Trailrunden mit je 10 km und 4 Seenrunden á knapp 3,3 km sein, oder wie auch immer. Natürlich besteht für Tempoläufer und „Flachländer“ auch die Alternative, ausschließlich 13 Runden, um den See zu kreiseln. Je nach Gusto. Wer sich für den HUT50 entscheidet, hat diese Möglichkeiten aber nicht, die- oder derjenige muss zwingend 5 Trailrunden laufen, um in die Wertung bei der DUV zu gelangen.

Mit der berühmten Abfahrtsstrecke in Tirol hat „unser“ Hahnenkamm natürlich nichts zu tun, wir befinden uns hier in der Region zwischen Altmühltal und Ries in der Fränkischen Alb. Der Hahnenkammsee ist der älteste und zweitkleinste der künstlichen Seen im Fränkischen Seeland. Er ist 1,3 Kilometer lang, etwas über 200 Meter breit und liegt am Heidenheimer Ortsteil Hechlingen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Den langgezogenen See umgeben die sanften Hügel des Hahnenkamms. Mitte der 70er-Jahre ist er als Pilotprojekt für das Fränkische Seenland angelegt worden. Die offizielle Einweihung fand am 1. Juli 1977 statt. 

Bei meiner Abfahrt zu Hause regnet es noch ziemlich stark, aber bei Ankunft 80 km weiter nördlich fallen nur mehr wenige Tropfen vom Himmel, das passt schon mal. Der Parkplatz ist nur 100 Meter vom Haus am See entfernt, wo sich unser Start- und Ziel befindet. Optimal. Duschen und Toiletten befinden sich im Seehaus, die wir auch benützen dürfen. Anfangs war der Lauf für 30 Personen ausgeschrieben, aber aufgrund reger Anmeldezahlen, wurde noch auf 40 Läuferinnen und Läufer erhöht. Jeder der heute auf die Strecke geht, bekommt eine Medaille, dazu stehen noch Getränke und etwas zum Knabbern bereit. Das ist schon richtiger Luxus für einen privat veranstalteten Run. Dazu das Ganze für „Null“ Startgeld, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Spenden nimmt Stefan auch nicht an, alles geht auf die Kosten der Organisatoren. Besten Dank an Stefan und Olli.

Auf der Starterliste stehen wieder viele der üblichen Verdächtigen, so kann ich gleich Greppi, Kati, Klaus, Tom, Dieter, Yvonne, Udo und noch ein paar mehr begrüßen. Insgesamt haben sich 37 Läuferinnen und Läufer heute eingefunden, davon werden 19 den HUT50 in Angriff nehmen. Nach Stefans Einweisung begeben wir uns zur Startlinie, natürlich darf ein Gruppenbild aller Teilnehmenden vor dem Start nicht fehlen.
Pünktlich um 9 Uhr wird gestartet. Alle Runden dürfen ausschließlich im Uhrzeigersinn gedreht werden. So folgen wir erstmal dem See entlang Richtung Süden. Der Weg ist problemlos zu laufen, von den zurückliegenden Schnee- und Regenfällen ist hier kaum etwas bemerkbar. Nach 800 Metern trennen sich am See-Ende die Seen- und die Trailrunde, für die Trailliebhaber geht es noch 200 m gerade aus weiter.

Eine Spitzkehre führt uns in den Wald und aufwärts auf den Schmidsberg. Es ist zugleich auch mit 60 Höhenmetern der längste Anstieg. In den tiefen Fahrspuren des Waldweges steht noch etwas Wasser, hier kann man sich schnell nasse Füße einhandeln. Besser ist es in der Mitte oder neben den Spuren auf nassem Laub. Tief sinkt man in das Terrain ein, so ist es doch spürbar anstrengender als auf dem Uferweg. Zaggi läuft vor mir, bei meinem letzten Trail im Spalter Hügelland hat er mich mehrfach vorm Verlaufen gerettet. Heute habe ich den GPX-Track auf der Uhr, aber Stefan und Oliver haben sich sogar den Luxus erlaubt und die Strecke mit Schildern, pinkfarbenen Kreidespray und Flatterbändern zu markieren. Da gibt es wirklich nix zu meckern.

Der Schmidsberg zählt noch zum äußeren Kraterrand des UNESCO Global Geopark Ries. Europas besterhaltenen Meteoritenkrater. Vor 15 Millionen Jahren raste ein etwa 1 km großer Asteroid, begleitet von einem 150 m großen Trabanten, auf die Erde zu. Beide schlagen mit einer Geschwindigkeit von über 70.000 km/h auf der Albhochfläche ein und erzeugen die zwei Krater Nördlinger Ries und das Steinheimer Becken mit Durchmessern von 25 und 4 km.

In den ersten Sekunden nach dem Einschlag entstand im Ries eine Kraterhohlform, die eine Tiefe von 4,5 km erreichte. Die ausgeschleuderten Gesteinsmassen reichten bis zu einer Entfernung von 50 km. Eine Glutwolke aus geschmolzenem Gestein stieg über der Einschlagstelle auf, fiel schnell in sich zusammen und lagerte sich als heiße Gesteinsmasse über dem Krater und seiner Umgebung ab. Nach wenigen Minuten waren alle Gesteinsbewegungen beendet. Dadurch entstand das Nördlinger Ries mit dem bis zu 150 Meter hohen Kraterrand, auf dem wir uns gerade befinden. Wir sind hier keine 20 km vom Kratermittelpunkt, der in der Nähe von Nördlingen liegt, entfernt.

Nach dem Anstieg geht es wellig weiter bis zum Bergershof, hier ist das südlichste Ende der Trail-Route erreicht. Den Untergrund muss man schon im Blick behalten, immer wieder gibt es unter Wasser stehende Passagen zu umgehen. Auf ganz passabel zu laufenden Wegen, die hoch mit Laub bedeckt sind, geht es abwärts zurück Richtung See. Nach 5,5 km wechseln wir über die Staatsstraße zu den östlichen Hügeln. Auf den Schlossberg führen uns 55 Höhenmeter auf Treppenstufen mit Geländer steil nach oben. Hier befand sich mal eine hochmittelalterliche Adelsburg, von der noch der Burgwall erhalten ist. Wir bekommen ihn aber nicht zu sehen.

Nach 7,5 km hat man einen schönen Ausblick auf den unter uns liegenden Hahnenkammsee, ich nütze das Panorama für ein paar Selfies und kann auch schon ein paar Rundendreher auf der Seenrunde entdecken, ich bin wohl dadurch etwas abgelenkt und achte nicht mehr auf Streckenmarkierungen. Bergab auf Asphalt kann man es schön laufen lassen. Am Seeufer treffe ich auf Yvonne und Dieter, die gemeinsam um den See jagen. Yvonne ist gerade auf Marathon-Bestzeitenjagd, gepaced von Dieter. Da geht die Post ab.

Aber irgendwie bin ich mir auch gerade unsicher, ob dieser Downhill wirklich zur Trailrunde gehört. Ein Blick auf den Track verrät mir, da stimmt was nicht. Geht das jetzt schon wieder los. Ich habe die Anhöhe zu früh verlassen und dadurch etwas abgekürzt. Ist nicht ganz so schlimm, da ich nicht vorhabe, den HUT50 zu laufen, aber die fehlenden Meter muss ich wohl irgendwo nachholen. Meine erste Runde beende ich nach 9,2 km, damit habe ich etwa 800 Meter abgekürzt.

Haspelmoor Marathon
Hahnenkammsee MA

   
   
 
 

Zur zweiten Runde wechsle ich auf eine dünnere Jacke, prompt fängt es wieder zu nieseln an. Im Wald ist aber wenig später davon nichts mehr zu spüren. Ich bleibe vorerst weiter in der Trailspur, sie ist sehr abwechslungsreich und macht mir wirklich viel Spaß, auch wenn’s etwas anstrengender ist.

Als eindeutig mein Fehler erweist sich mein Verläufer in der ersten Runde. Quer über die Straße ist ein pinkfarbener Strich gezogen, der bedeutet: hier geht’s nicht runter. Da war ich wohl unkonzentriert. Stattdessen geht es in entgegengesetzter Richtung wieder hoch in den Wald. Hier wartet dann bald ein großes Wasserloch auf uns. Aber man kann es ganz gut umgehen. Im Prinzip wäre es egal, ich könnte auch mittendurch, meine Füße sind ja eh bereits nass.

Auf Asphalt geht es runter bis an den Ortsrand von Hechlingen. Hier müssen wir erneut die St 2384 überqueren. Weit und breit nix zu sehen, scheinbar ist heute niemand unterwegs, wahrscheinlich alle in der Kirche. Im Kofferraum meines PKWs habe ich Wechselschuhe, so wechsle ich vom Seeufer auf die leicht ansteigende Seestraße, die direkt zum Parkplatz führt. Zusammen mit frischen Socken tausche ich meine Schuhe und wähle jetzt wasserdichte mit Gore-Tex. Greppi kann ich im Häuschen bei den Medaillen entdecken, er macht heute Schluss nach 20 km. Mir würde es zwar auch schon reichen, aber es ist mir dann doch noch etwas zu früh. Als Zaggi eintrifft, ist er verwundert, dass ich vor ihm liege, aber da kann ich ihn beruhigen, das Verlauf-Spiel haben wir ja schon in Spalt erlebt. Nach einer kleinen Pause mache ich mich auf den weiteren Weg. Ich bleibe weiter auf Trails.

Der Aufstieg auf den Schmidsberg ist in Runde 3 deutlich steiler geworden. Bald schließt Zaggi wieder von hinten auf, ich kann jetzt nicht mehr ansatzweise mithalten. Meine Beine wollen heute nicht mehr. Heul leise, steht auf einem Schild am Treppengeländer den Schlossberg hinauf. Mach ich. Von unten kommt gerade der Führende und spätere Sieger des HUT50 Steffen Thorwarth die Treppen herauf gepowered. Er ist bereits in seiner fünften und letzten Runde und hat noch ordentlich Dampf auf dem Kessel. Ich lege erst mal eine kurze Pause am Fass ein und genehmige mir etwas Energy in Gel-Form. Eigentlich war ich schon auf vier Trailrunden eingestellt, aber auf den Schlossberg will ich heute nimmer, kommt mir hier die Erkenntnis.

Nach meiner dritten Trailrunde lege ich wieder einen Pausen-Stopp am Haus am See ein. Eigentlich bin ich ja richtig platt, aber eine Seenrunde will ich in jedem Fall noch durchziehen, damit mir dieses Erlebnis nicht fehlt. Der Weg um den See ist gut zu laufen, so komme ich doch tatsächlich wieder besser in den Tritt, so gebe ich meinen Plan vom Abbruch auf und drehe auch noch eine zweite, dritte und vierte Seenrunde. Alles Kopfsache. Auch wenn die Schlussrunde nochmal richtig hart wird und ich auf dieser mehr walke als laufe, egal Hauptsache Finish. Auf meiner Uhr stehen 42,7 km, so verzichte ich auch darauf, die 800 Meter Abkürzung noch nachzuholen.

Die Idee mit der eigenen Rundengestaltung beim Marathon finde ich genial. So ist wirklich für jeden was dabei. Dazu kommt, nächstes Mal scheint die Sonne, da ist der See noch viel schöner. Stefan hat‘s versprochen!  Da bin ich gerne wieder dabei.

   
 
 
Bernie
Greppi
6:45:47
2:45:00 (20 km)
 
   
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