24.05.2026 Isar-Süd Marathon
Autor: Bernie Manhard  
 
 
 

In Pullach haben wir 30 km hinter uns. Während einer Unterhaltung erinnert Andreas an den kürzlichen, unerwartet verstorbenen Schauspieler Alexander Held, der den mit seinen unorthodoxen Ermittlungsmethoden beliebten Kriminalhauptkommissar Ludwig Schaller in der Krimiserie München Mord spielt. In den bisherigen Folgen von München Mord gab es natürlich immer viele Tatorte in und rund um München und viele lagen an der Isar, an Stationen, die wir beim Isar-Marathon auch schon passiert haben. Andreas kann einige davon aus dem Stehgreif aufzählen und da ich auch ein großer Fan vom Trio Schaller, Neuhauser und Flirl bin, kenne ich mich da auch bestens aus.

Mit der 11. Austragung des Isar-Süd Marathons, erreichen wir heute genau die Hälfte der 22 Folgen von München Mord. Der Wettergott meint es schon fast zu gut mit uns, bis zum Nachmittag sind Temperaturen um 30 Grad angesagt, kurzum, so manch einer würde bestimmt jetzt unken, Marathonlaufen ist bei den Temperaturen schon fast so was wie Selbstmord. Wobei wir wieder beim Thema wären. Aber wir wollen natürlich nicht jammern, haben uns unser Hobby freiwillig ausgesucht und freuen uns erst mal auf einen sonnigen Tag.

Unser Tatort liegt wie immer vor dem Klohäuschen hinter dem Müller’schen Volksbad, fast in der Stadtmitte von München. Der Start- und Zielplatz liegt für das heutige Wetter strategisch äußerst günstig, direkt neben dem Biergarten der Muffathalle, in welchem wir nach erfolgreicher Absolvierung, sicher wieder ein paar verlorengegangene Elektrolyte ausgleichen werden. Zum Lauf sind heute sieben Teilnehmer*innen eingeschrieben. Daniel und Tom sind unabhängig voneinander bereits seit den früheren Morgenstunden unterwegs. Dazu kommen mit mir noch die Veranstalter Andreas & Judith und Roland. Mit Russel ist ein Engländer am Start, der zum ersten Mal an einem der unterschiedlichen Marathons von Andreas‘ isarmarathon.de-Serie teilnimmt.

Judith zählt von 10 runter und pünktlich um 8.30 Uhr machen wir uns auf den Weg. Die ersten drei Kilometer führen uns erstmal an der Isar nordwärts. Um die Marathon-Distanz voll zu bekommen, müssen wir eine 6 km lange Zusatzschleife absolvieren. In früheren Ausgaben wurde sie noch hinten angehängt. Nach einem Kilometer überqueren wir an der Luitpoldbrücke, unterhalb des Friedensengels die Prinzregentenstraße. Kaum Verkehr. München schläft noch. Eine Baustelle an der Isar zwingt uns auf einen etwas höhergelegenen Weg über der Isar. Kurz vor der John F. Kennedy Brücke ist unsere Wende, auf einem anderen Weg, etwas weiter unten in den Isarauen geht es zurück. Selbst zu so früher Stunde ist es zwischen den Bäumen bereits schwülwarm.

Nach etwa 5 km kommt uns Daniel entgegen, er hat den Großteil seiner Runde schon hinter sich. Mit Erlaubnis von Rennleiter Andreas beginnt er seinen Lauf immer in der Nähe seines Wohnorts München Solln. Russel verabschiedet sich jetzt von uns, er will etwas schneller laufen. Wir unterqueren mit der Ludwigsbrücke, Münchens älteste Isarbrücke. Direkt danach steht auf der Museumsinsel das Deutsche Museum. Seit geraumer Zeit wird es modernisiert. Die erste Hälfte kann bereits wieder besucht werden. Die zweite Hälfte des Museums ist wegen der Modernisierung noch bis ca. 2028 geschlossen.

Andreas, Roland und ich laufen direkt in den Frühlingsanlagen weiter, während Judith einen etwas komfortableren Weg, etwas weiter entfernt vom Isarufer zwischen den Bäumen wählt. Mir gefällt der Weg mit teilweise Trail-Charakter ganz nahe am Wasser und unter den Brücken hindurch deutlich besser, zudem sind derzeit auch noch nicht viele Ausflügler in den Isarauen unterwegs oder bereits beim Baden. Ein weiterer Grund ist die Brudermühlbrücke. Nach unterqueren der Brücke ist ein Blick zurück, dringend ratsam. Ein fantastischer Adler mit eindringlichem Blick, leuchtendem Federkleid und einen grauen Bolzenschneider in den Klauen wacht an der Brücke über die Isarauen. Ein Münchner Streetart-Künstler hat das Kunstwerk mit dem Namen „Wesen der Lüfte, Himmel der Freiheit“ geschaffen. Sieben Wochen lang arbeitete er an seinem 900 Quadratmeter großen Graffiti.

In Höhe des Tierparks Hellabrunn wechseln wir auch auf den Weg abseits des Ufers, wo wir wieder auf Judith treffen. Wir ziehen am Tierpark Hellabrunn vorbei. Im Elchgehege können wir durch dichten Bewuchs einen Elchbullen liegen sehen. Judith kennt sich hier besonders gut aus, kennt die verschiedenen Sektionen im Tierpark und kann uns die unterschiedlichen Gehege erklären. Sie hat eine Saisonkarte und besucht ihn etwa zwanzig Mal im Jahr. Leider gibt es am Zaun entlang nur wenige Tiere zu sehen.

Über dem Marienklausensteg überqueren wir nach 12 km die Isar und direkt im Anschluss über die Marienklausenbrücke auch noch den Isarwerkkanal. Diesen aber nur zu einem kurzen Abstecher zu einem Trinkbrunnen. Judith, Andreas und Roland benötigen dringend Nachschub, ich nur etwas Wasser über den Kopf. Zwischen Isar und Isarwerkkanal laufen wir weiter, ohne die Isar jetzt zu Gesicht zu bekommen. Der 8 km lange Abschnitt in Thalkirchen ist bereits vollkommen im Grünen, aber leider auch in der prallen Sonne. Zwischendrin unterqueren wir die Großhesselloher Eisenbahnbrücke, beim Rückweg werden wir sie von oben genauer unter die Lupe nehmen können.

Haspelmoor Marathon
Hahnenkammsee MA
Munich Urban Trail A
Munich Urban Trail B
Isar-Süd Marathon



 
   
 
 

Nach 20 km wechseln wir am Wasserkraftwerk Höllriegelskreuth die Kanalseite, im Wald sind einige Höhenmeter zu bewältigen, bis wir nach 22 km den Blick auf den Georgenstein bekommen, der mitten in der Isar in die Höhe ragt. Der Felsblock ist rund fünf Meter hoch, ein paar Badende haben ihn gerade geentert. Zur Zeit der Flößerei stellte er ein gefürchtetes und berüchtigtes Hindernis dar, da sich hier besonders heimtückische Stromschnellen im Fluss befinden. Auf dem Stein wurde eine bemalte Blechfigur des Heiligen Georg errichtet. Nach einer kurzen Pause erreichen wir unseren südlichsten Punkt nach 23 km. Auf einem Pfad geht es jetzt hoch nach Baierbronn. Insgesamt sammeln wir heute etwa 200 Höhenmeter.

Der Rückweg führt uns jetzt oberhalb der Isar weiter. Von Naturwegen und einigen Trails, wechseln wir überwiegend auf Asphalt. In Buchenhain bekommen wir eine wunderbare Aussicht auf einen Teil unserer bereits absolvierten Strecke zum Kraftwerk Höllriegelskreuth hinunter geboten. In Buchenhain und Pullach hat Andreas bereits im Vorfeld Trinkbrunnen erkundet, die wir nacheinander auch ansteuern.

Nach 32 km erreichen wir mit der Großhesseloher Brücke, einen weiteren beliebten Tatort bei München Krimis. Unterhalb der Gleise der Bahnstrecke München–Holzkirchen verläuft ein kombinierter Fuß- und Radweg in einem Fachwerkrahmen, die die beiden Wanderrouten links und rechts der Isarhänge verbindet. Die spektakuläre Aussicht über das Isartal will uns Andreas nicht vorenthalten, daher ist sie auch Bestandteil unserer Route. Wir laufen die 250 Meter über die gesamte Brückenlänge, Anschlag an der gegenüberliegenden Wand und wieder zurück.

Am Flaucher (km 37) sind wir wieder zurück an der Isar. Der Name geht auf den Schankwirt Johann Flaucher zurück, der bereits 1870 die Gastwirtschaft „Zum Flaucher“ eröffnet hat und die es bis heute gibt, ein Biergarten und ein Spielplatz sind noch dazugekommen. Über den 340 Meter langen Flauchersteg überqueren wir die Isar mit seinen verzweigten Flussläufen, Kiesstränden und kleinen Kiesinseln. Bei dem Wetter geht’s hier natürlich zu „wie auf dem Stachus“. Auf der Fläche der großen Kiesbank ist Nacktbaden und -sonnen erlaubt, was heute auch viele ausnützen.

Auf der Isarostseite ziehen wir uns gleich auf den schattigen Weg oberhalb des Badebereiches zurück. Dort ist jetzt einfach zu viel los, dazu wäre der Weg wieder in der prallen Sonne. Ein kurzer Stich führt uns auf einen Parkplatz des Tierparkes, hier gibt es einen wunderbaren Wasserspender mit Trinkwasser. Andreas hat den 200 Meter langen Abstecher extra in den Track eingebaut, damit wir uns hier erfrischen können.

Auf den letzten 4 Kilometern, die fast nur noch geradeaus im schattigen Waldweg führen, zündet Roland noch den Turbo und nimmt uns ein paar Minuten ab. Andreas hadert immer noch ein bisschen damit, dass er im Vorjahr eine Stunde schneller war und ist nicht mehr so motiviert. Da hatte es aber auch keine 30 Grad, denke ich mir.

Am Klohäuschen neben der Muffathalle endet der heutige Isar-Süd Marathon, wie eigentlich fast alle Marathons von Andreas, das hat schon Tradition. Wir haben heute einige Tatorte von Münchner Krimiserien besucht, wer das auch einmal erleben will, liegt bei Isar Marathons immer richtig. Für München Mord sind nur noch zwei Folgen gedreht, wie es weiter geht, weiß man noch nicht. Der Isar-Süd Marathon wird sicher noch öfters stattfinden. Schaut's vorbei auf isarmarathon.de .

Auch auf unseren ewigen Geheimtipp Parkplatz neben dem Müller'schen Volksbad war am Morgen wieder Verlass und kaum frequentiert, so können sich Roland und ich noch etwas erfrischen und umziehen, um beim abschließenden Biergartenbesuch den wunderbaren Tag ausklingen zu lassen.

 
   
   
 
Bernie
6:19:36
 
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