12.07.2026 Tegernsee Marathon
Autor: Bernie Manhard  
 
 
 

Die Leichtigkeit des Seins haben längst nicht mehr nur die südlichen Länder Europas abonniert, auch am Tegernsee kann man im Sommer dieses Feeling spüren. Mal grün, mal azurblau, mal türkis schimmernd, präsentiert sich im Sonnenlicht der See. Dazu leuchten die Gipfel, die Bergwiesen sind sattgrün und in den Biergärten geht es zünftig zu. Nachdem die Anreise am Morgen für mich über die A8 und A99 noch sehr entspannt abläuft, verdichtet sich der Ausflugsverkehr kurz vor Gmund am Tegernsee immer mehr und an den Ampelanlagen kommt es bereits zu längeren Wartezeiten. Die Münchner rücken an und wollen sich auch versuchen im „Savoir-vivre“, der Kunst des Genießens.

Der Tegernsee liegt nur rund 50 km südlich von unserer Landeshauptstadt, so bietet sich ein Ausflug für die Münchner geradezu an, heute noch dazu bei herrlichstem Sommerwetter. Er zählt zu den saubersten Seen Bayerns, da bereits in den 1960er Jahren eine durchgängige Ringkanalisation um den See geschaffen wurde. Der See selbst ist Teil des Stadtgebietes von Tegernsee. Die übrigen vier Gemeinden des Tegernseer Tals: Gmund am Tegernsee, Rottach-Egern, Kreuth und Bad Wiessee, haben nur Anteil am Seeufer. Im Gegensatz zu vielen anderen oberbayerischen Seen sind die Ufer des Tegernsees aber fast vollständig öffentlich zugänglich. Was eine fußläufige Umrundung relativ einfach macht.

Im Vorjahr hat Andreas den Tegernsee Marathon zum ersten Mal ausgeschrieben, zu fünft wurde die Premiere durchgeführt. Heuer gibt es eine 20-prozentige Steigerung, wir sind immerhin schon zu sechst am Start. Eigentlich unverständlich für mich bei so einer Location, aber vielleicht verbinden viele den Tegernsee eher mit einem entspannten Ausflug als mit einem schweißtreibenden Erlebnis. Obwohl ja der Tegernseelauf über die Halbmarathondistanz im Herbst jedes Jahr mit einigen tausend Teilnehmern jedes Mal außerordentlich gut frequentiert und ausgebucht ist. Dieser hat Andreas im Übrigen vor Jahren auch dazu motiviert, selbst einen Marathonkurs zu erkunden, nachdem die Durchführung eines geplanten Marathons verworfen wurden.

Damit wären wir auch schon bei der Streckenlänge. Direkt am See entlang, kommt man bei einer Umrundung auf etwa 20 km. Das reicht natürlich nicht für einen Marathon und Andreas wollte auch keine Zwei-Runden-Kurs anbieten. So hat er, praktisch als zweiten Streckenabschnitt, eine Wendepunktstrecke nach Wildbad-Kreuth und anschließender kleinen Schleife bis zur Almwirtschaft Siebenhütten dazu genommen.

Trotz prognostizierten Temperaturen im Tagesverlauf bis knapp unter 30 Grad starten wir erst um 10 Uhr. Aus dem Raum Augsburg und Nürnberg sind die Anreisen halt doch etwas länger als für die Münchner. Unser Treffpunkt ist am Ende des Weißachdamms in Rottach-Egern. Dort gibt es am Strandbad genügend Parkplätze, einen Kiosk und eine Toilettenanlage, somit ideal für uns als Sammelstelle. Alle sind frühzeitig vor Ort, so können wir gemütlich am Strandweg zum etwa 500 Meter entfernten Startplatz schlendern. Am Start sind heute neben mir noch Andreas & Judith, Roland, Udo und Russell, der zuletzt auch schon beim Isar-Süd Marathon dabei war. Bei angenehmem 20 Grad zählt Judith von 10 runter und gibt um 9.58 Uhr den Start frei.

Wir laufen gegen den Uhrzeigersinn um den Tegernsee. Am Ufer entlang ziehen wir durch Rottach-Egern. Der rund 40 Hektar große, durch die Halbinsel Point auf eine Breite von ca. 170 Metern abgeschnürte Seeteil im Südosten, nennt sich Egerner Bucht. Die Bucht wird im lokalen Sprachgebrauch auch Malerwinkel genannt, da früher sehr oft Maler am Ufer saßen und die Kirche St. Laurentius am Fuße des Wallbergs malten.

Udo läuft sein eigenes Tempo, mit etwas Abstand hinter uns. Russell, der normalerweise deutlich schneller ist als Roland, Judith, Andreas und ich bleibt auf den ersten Kilometern noch bei uns. Wir laufen an der Seestraße entlang, hier liegen zahlreiche Restaurants, Boutiquen, Hotels und das Strandbad neben unserem Weg. Der FC Bayern ist in Rottach-Egern auch gerne zu Gast, in zwei Wochen halten sie hier wieder ihre Vorbereitung für die neue Bundesligasaison ab und anschließend kommt die Borussia aus Mönchengladbach.

An der Seeostseite biegen wir auf die Schwaighofstraße ein. Auf der Verbindungsstraße nach Tegernsee und Gmund ist viel Verkehr, wir laufen jetzt meist am Rad- und Fußweg neben der Straße, die ufernah am See entlangführt. Aber auch einige Abstecher direkt ans Ufer sind dabei. Die Aussichten über den See bei strahlend blauem Himmel sind unglaublich schön.

Nach 4 km sind wir bereits in Tegernsee. Auf der Schlosspromenade passieren wir Schloss Tegernsee mit dem angrenzenden Biergarten des Bräustüberl Tegernsee, hier wollen wir nach dem Lauf verlorengegangene Energie zurückgewinnen. Das ehemalige Benediktinerkloster befindet sich im Besitz des Hauses Wittelsbach. Momentaner Schlossherr ist Herzog Max in Bayern und Herzogin Elizabeth in Bayern. Das Schloss selbst und die Gruft der Wittelsbacher sind nicht zu besichtigen. Die berühmteste Person, die in der Gruft liegt, ist Herzogin Ludovika in Bayern, Mutter von „Sissi“, der späteren Kaiserin von Österreich.

Nach 9 km erreichen wir in Gmund Seeglas den ersten Trinkwasserbrunnen. Andreas hat sich sehr viel Mühe gegeben und alle verfügbaren Wasserstationen an unserer Strecke im Streckenbriefing aufgeführt und genau beschrieben. Hundert Meter weiter überqueren wir auf einem Holzsteg am nördlichsten Ende des Tegernsees die Mangfall. Der Abfluss des Tegernsees mündet in Rosenheim in den Inn. Der Überblick über den kompletten See ist einfach grandios. Die Ortschaft Gmund am Tegernsee lassen wir rechts liegen, ohne sie zu tangieren.

Wenig später entfernen wir uns etwas vom Seeufer, es geht einen kurzen Anstieg hoch bis zur B318. Russell reicht es nach 11 km von unserem Sommertempo, er setzt sich nach vorne ab. Leicht wellig geht es auf dem Fuß- und Radweg neben der Bundesstraße weiter, dieser lädt förmlich zum Tempomachen ein. Aber wer will bei dem Wetter schon Tempo machen, unser verbleibendes Quartett kann sich dazu nicht durchringen.

Kurz vor dem nördlichen Ortsausgang von Bad Wiessee biegen wir ab in die Finnerbucht und wieder direkt runter ans Seeufer. Vom gepflegten Kiesweg bekommen wir wunderschöne Ausblicke auf den mit vielen Segelbooten frequentierten nördlichen Teil des Sees und die gegenüberliegenden Berge. Weniger schön ist die riesige Baustelle neben der Strandpromenade in Bad Wiessee. Mit dem „Seegut am Tegernsee“ entsteht hier ein ganz neuer Ortsteil. Er gliedert sich mit einem Hotel, einer Wohnbebauung und einen öffentlichen Bereich mit Wirtshaus und Kulturscheune in drei Bereiche. 25 Bauobjekte in nachhaltiger Holz- und Holzhybridbauweise sind vorgesehen. Da gibt’s noch viel zu tun. Geplante Fertigstellung ist 2028.

Die nächste Bucht nennt sich Ringsee, nahe dem Ortsteil Ringsee der Gemeinde Kreuth. Der Name Ringsee kommt von „gering“ und macht den Gegensatz zum „großen“ Tegernsee deutlich. Die Bucht liegt direkt im Mündungsbereich der Weißach. Nach einem kleinen Waldgebiet überqueren wir die Weißach, die normalerweise wichtigster Zulauf des Tegernsees ist. Heute schaut’s aber ganz schön mager aus, was noch am See ankommt, höchstens ein paar Rinnsale erreichen noch die Ringseebucht.

Haspelmoor Marathon
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Nach 19,2 km sind wir wieder an unserem morgendlichen Treffpunkt am Weißachdamm, der ja nicht unser Startplatz war. Aber hier parken unsere Autos, so können wir frische Getränke aufnehmen. Mittlerweile sind die angekündigten 28 Grad C erreicht und lassen uns den Sommer so richtig spüren, so verzichte ich auf meine Ärmel und laufe mit Singlet weiter, ist gleich wieder etwas angenehmer. Beschweren möchte ich mich aber nicht. Mir passt das Wetter so wie es ist.

Auf dem Weißachdamm, neben dem fast ausgetrockneten Flussbett ziehen wir durch Rottach-Egern, hier sind einige Straßenüberquerungen dabei, wo wir aufpassen müssen, ansonsten geht es eigentlich ungehindert, ohne größere Störungen weiter. Höchstens mal ein paar Wandergruppen kreuzen unseren Weg. Vor Radlern werden wir auf dem Damm und anschließend an der Weißach entlang verschont. Sie dürfen hier nicht fahren. Nach 22 km geht’s rein in die Weißachauen, was für uns mit viel Schatten verbunden ist. Über 6 km führt uns der Wassererlebnisweg an der Weißach entlang, die hier doch tatsächlich auch wieder Wasser mitführt.

Dank seiner Flora und Fauna gilt das Areal als eine der bedeutendsten Tallandschaften des Alpennordrands. Deshalb sind die Weißachauen seit 1953 auch als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und eigentlich auf Privatgrund. Die Auenlandschaft gehört seit 1810 den Kreuther Bauern. Die wichtigsten Garanten dafür, dass aus der Auenlandschaft nicht schon längst simpler Wald geworden ist, sind die Kühe der Bauern. Sie sorgen dafür, dass die geschützten Pflanzen nicht überwuchert werden.

20 Stationen zum Spielen und Staunen hat man neben dem Weg angelegt, an einer davon ist ein Brunnen installiert, an der man frisches Wasser hochpumpen kann. Genau das richtige für eine Mütze kühles Wasser. Andreas, Judith und Roland laufen etwas vor mir und haben das glatt übersehen. Wir laufen den selben Weg aber später auch wieder zurück, vielleicht benötigen wir ihn dann wieder.

In der Ortsmitte von Kreuth (km 26) erreichen wir dann aber einen weiteren richtig schönen Trinkwasserbrunnen, der auch von Andreas beschrieben wurde und den wir für eine kurze Erfrischung ansteuern, auch um unsere Trinkflaschen wieder zu füllen. Kurz bevor wir den fast 10 km langen Begegnungsabschnitt vor der Schleife nach Siebenhütten verlassen, kommt uns noch Russell entgegen. Mittlerweile hat er gut 5 km auf uns rausgelaufen.

Seit Ortsende Rottach-Egern laufen wir im Prinzip immer geradeaus am Weißachdamm entlang mit leichtem Anstieg. Bis zu unserem höchsten Punkt bei etwa 31 km beinhaltet der Abschnitt dabei ca. 150 Höhenmeter, die man aber erst zum Schluss hin, hinauf zur Almwirtschaft Siebenhütten auch wirklich wahrnimmt. Auf Höhe Wildbad-Kreuth (km 29) entfernen wir uns dabei erstmals von der Weißach. Beim Schlussanstieg zu den Almen auf 835 m Höhe geht es an der Hofbauernweißach entlang.

Früher wurden auf dem Gebiet sieben Almhütten von sieben Bauern aus Kreuth betrieben. König Max Joseph von Bayern ließ hier mehrere hundert Ziegen halten. Die gewonnene Molke wurde für Heil- und Schönheitsbäder in Bad Kreuth (heute Wildbad Kreuth) benötigt. Nach der Wiedereröffnung im Juli 2024 präsentiert sich die Siebenhüttenalm als Neubau, nach historischem Vorbild. Das gastronomische Angebot ist traditionell und umfasst almtypische Speisen, aber lange Schlangen an der Ausgabe halten uns von einer kleinen Stärkung ab. Was mir aber besonders gut gefällt ist der am Eingang stehende „Altbairische Getränkeautomat“. Im Wassertrog eines Brunnens stehen einige Kästen mit gekühlten Getränken. Die Bezahlung erfolgt auf Vertrauen in die daneben installierte Kasse und natürlich nur in bar. Leider habe ich nicht die benötigen Münzen dabei. Aber das Wasser ist gratis. Noch kurz geht es hoch auf unseren höchsten Punkt, anschließend nur mehr abwärts.

An der Heiligkreuzkapelle mit angebautem, historischem Badehaus, erreichen wir Wildbad Kreuth und wenig später den klassizistischen Gebäudekomplex, den vor allem politisch Interessierte kennen werden. Bis 2016 tagte im Januar alljährlich die CSU, wobei sich die Politiker meist vor tief verschneiter Kulisse vom Fernsehen interviewen ließ. Von Udo, der hinter uns liegt bekommen wir nichts zu sehen, er wird wohl irgendwo auf der Schleife sein.

Nach 33 km sind wir wieder auf unserer altbekannten Begegnungsstrecke. Roland zieht das Tempo mittlerweile etwas an und Andreas und Judith haben den Ehrgeiz im zu folgen. Ich versuche dranzubleiben, was mir aber nur mehr mäßig gelingt. Bis etwa 3 - 4 km vor unserem Ziel kann ich sie vor mir noch ausmachen, dann entschwinden sie mir aber. Andreas hat den Ehrgeiz, Roland vor dem Ziel noch zu überholen und kann ihn tatsächlich um eine Sekunde schlagen. Als ich 9 Minuten nach ihnen am vereinbarten Ziel eintreffe, warten die drei bereits auf mich. Auf meiner Uhr fehlen noch 50 Meter, ich möchte unbedingt die 42,2 km stehen haben, so muss ich noch einen kurzen Loop vor dem Kiosk drehen.

Russell hat es unter Sub 5 geschafft und ist bereits nach Hause unterwegs. Auf Udo müssen wir noch etwas warten. Inzwischen statten Andreas, Judith und ich dem Tegernsee eine kurze Badeeinheit ab. Währenddessen trifft auch Udo ein, macht sich aber gleich auf den Nachhauseweg, wie schon am Morgen angekündigt.

Der Rest besucht noch das Bräustüberl in Tegernsee, wo wir den Tag noch etwas genießen und ausklingen lassen und so auch etwas vom Savoir-vivre mitnehmen können. Fast unglaublich klingt an diesem wunderschönen Ambiente und der herrlichen Umgebung des Tegernsees der Bierpreis von 3.30 € für die Halbe. Noch ein weiterer Grund, um wiederzukommen.

   
   
 
Bernie
6:13:12
 
 
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