Auf einer 450 Meter langen Runde, sechs Stunden im Kreis zu laufen, hört sich für mich an, wie Rundendrehen im Hamsterrad. Mein Ding ist das nicht unbedingt, aber Greppi organisiert den 6h-Lauf Mering für einen guten Zweck, so bin ich natürlich trotzdem dabei. Wie immer ist die Teilnahme bei einem Event von Team TOMJ kostenfrei, aber beim 6h-Mering ist eine Spendenbox aufgestellt. Alle Spenden gehen an den Bunten Kreis Augsburg. Dieser betreut seit über 30 Jahren Familien mit chronisch, krebs- und schwerstkranken Kindern, sowie Familien, in denen Kinder von Epilepsie betroffen sind, womit die Verbindung zu Greppi hergestellt ist.
Unser Hamsterrad befindet sich in der parkähnlichen Anlage des Freizeitgeländes Badanger, mitten in Mering und direkt an der Paar. Der Rundkurs darin hat in etwa die Form eines Dreiecks. Auf dem weitläufigen Areal kann man aber nicht nur Laufen oder Spaziergehen, sondern hin und wieder finden auch Veranstaltungen mit Open-Air-Bühne auf der großen Wiese statt. Ein Hügel lädt im Winter Kids zum Schlittenfahren ein. Direkt neben der 450 Meter langen Runde auf einem geschotterten Weg liegt zudem ein Biergarten, der in den Sommermonaten geöffnet hat und guten Anklang findet. Die Genehmigung, damit wir hier auch ordnungsgemäß unsere Runden drehen dürfen, hat Greppi vom Meringer Bürgermeister persönlich erhalten.
Zu Testzwecken, vor allem aber um mir einen genaueren Überblick über die Streckenlänge zu verschaffen, hab ich schon mal vor drei Wochen 10 Runden gedreht. Die GPS-Messung auf meiner Uhr ergaben dabei ziemlich genau 4,5 km. Somit wären für einen 45 km-Ultra genau 100 Runden zu absolvieren, was auch mein anvisiertes Ziel für den 6h-Mering ist. Anders als bei regulären 6-Stunden-Läufen wird es keine Rundenzähler geben, wo am Ende die exakte Auswertung der Kilometerleistung, anhand der amtlich vermessenen Runde erfolgt. Gewertet wird bei uns die GPX-Aufzeichnung eines jeden einzelnen. Somit sind natürlich kleine Unterschiede bzgl. der Streckenlänge, in den Aufzeichnungen einkalkuliert, unsere Uhren laufen ja nicht synchron.
In den Statistiken werden 6-Stunden-Läufe als Ultramarathon geführt und seit Mitte der 1970er Jahre bei der DUV dokumentiert. Die Rekorde bei den besten deutschen Frauen und Männer liegen locker über 80 km. Ein Brite hält mit 97,2 km den inoffiziellen Weltrekord bei den Männern. Als ältester 6-Stunden-Lauf im deutschsprachigen Raum gilt der Self-Transcendence 6-Stunden-Lauf-Nürnberg, der auf einem Rundkurs von 1,5 Kilometern Länge stattfindet.
Wettermäßig ist es am Veranstaltungstag wieder, wie es diesen Sommer eigentlich fast durchgehend war, bestes Sommerwetter mit blauem Himmel. Dazu sind Temperaturen über 25 Grad C im Laufe des Tages vorhergesagt. Ein Pavillon markiert Start- und Ziel und hier ist auch die schwarze Spendenbox deponiert. Greppi hat mit Wasser, Apfelsaftschorle, Cola und Bier ausreichend Getränke bereitgestellt, den eigenen Trinkbecher sollte jeder selbst mitbringen. Und auch zum Knabbern steht einiges bereit. Kati hat dazu noch einen Kuchen spendiert. Es gibt auch Platz für Campingstühle, für kurze Pausen während unserer sechs Stunden.
Neun Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit unterschiedlichen Ambitionen haben sich eingefunden, gelaufen wird von 9.00 bis 15.00 Uhr. Alle Angemeldeten sind zumindest mir gut bekannt, außer Adis, er ist Greppi und mir gänzlich unbekannt. Wir lassen uns überraschen. Am Anfang ihres einjährigen Trainings mit Ziel München Marathon steht Jessi, sie wird heute aber nicht durchlaufen, sondern nur einen Trainingslauf absolvieren. Melli hat ihre 30 km lange Anreise von Langweid mit dem Radl angetreten.
Greppi gibt das Startkommando pünktlich um 9 Uhr. Die erste Runde laufen wir gemeinsam, damit auch alles klar ist. Es bestünde nämlich die Möglichkeit, einen Abschnitt auf der anderen Seite der Paar zu laufen, aber dieser ist eng und von Greppi ausdrücklich verboten, damit es mit Spaziergängern keine Probleme gibt.
Nach den ersten knapp hundert Metern beginnt die Runde über 50 Meter neben dem Hügel leicht anzusteigen. Die zwei Höhenmeter wären eigentlich nicht erwähnenswert, aber sie summieren sich pro Runde und somit werden wir sie irgendwann zu spüren bekommen, ist mir schon bei meinem Testlauf aufgefallen. Ganz hinauf bis zur „Stelzenmaari“, müssen wir aber zum Glück nicht. Anlässlich des 1000-jährigen Jubiläums der Marktgemeinde Mering wurde das so getaufte Kunstprojekt installiert. Das Stelzenmädchen erhielt im Rahmen einer Bürgerumfrage den Namen Stelzen-Maari. Die Stelzen, auf denen sie steht, symbolisieren Gleise und beschreiben die Bedeutung der Bahnlinie für den Ort. Sie ist Lebensader, aber teilt den Ort auch in zwei Teile.
Zur ersten Spitzkehre unseres Dreieckskurses vor dem Marterl vom St. Nepomuk nach etwa 170 m, geht es kurz abwärts. Hier gäbe es die erwähnte Möglichkeit, über eine Brücke auf die gegenüberliegende Seite der Paar zu gelangen, was uns aber untersagt ist. Somit führt uns eine Gerade linksseitig an der Paar entlang. Diese entspringt in der Nähe von Schloss Kaltenberg und mündet nach 134 km bei Vohburg in die Donau. Man sieht es dem eher als Bach wirkenden Gewässer gar nicht an, dass er noch so einen langen Weg vor sich hat. In unseren Breiten sorgt die Paar schon mal gerne für Hochwasser. Nach etwa 150 m erreichen wir schon die nächste Paarbrücke und auch die zweite Spitzkehre des Kurses.
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